Göreme Freilichtmuseum
Das Freilichtmuseum Göreme ist das Herz des christlichen Kappadokiens, ein Komplex von in den Felsen gehauenen Kirchen und Klöstern mit tausendjährigen Fresken. UNESCO hat es aus gutem Grund in die Welterbeliste aufgenommen: nirgendwo sonst finden Sie eine solche Konzentration byzantinischer Kunst in einer so ungewöhnlichen Landschaft.
Geschichte des Ortes
Christen kamen in den ersten Jahrhunderten n. Chr. nach Kappadokien, auf der Flucht vor römischer Verfolgung. Der weiche Tuff ermöglichte leichtes Aushöhlen von Höhlen, während das komplexe Gelände Zuflucht bot.
Im 4. Jahrhundert hatten sich hier Klostergemeinschaften gebildet. Die Kappadokischen Väter—Basilius der Große, Gregor der Theologe, Gregor von Nyssa—schufen Regeln für das Gemeinschaftsmönchtum, die das gesamte Christentum beeinflussten.
Im 9.-13. Jahrhundert blühte die Region. Kirchen wurden mit Fresken geschmückt, Klöster wuchsen. Dann kamen die seldschukischen Türken, Christen verließen allmählich das Gebiet, Tempel leerten sich. Aber das trockene Klima bewahrte die Malereien bemerkenswert gut.
Was es zu sehen gibt
Das Museum ist ein Tal mit etwa einem Dutzend Felsenkirchen, die durch Wege verbunden sind. Die wichtigsten:
Dunkle Kirche (Karanlık Kilise)—das Juwel des Museums. Fresken aus dem 11. Jahrhundert überlebten fast perfekt dank der Lichtabwesenheit (daher der Name). Das Blau—echtes Lapislazuli—verblüfft durch seine Intensität. Der Eintritt kostet extra, aber es lohnt sich.
Apfelkirche (Elmalı Kilise)—vier Säulen, neun Kuppeln, Gemälde mit Evangelienszenen. Der Name kommt entweder von einem nahen Apfelgarten oder von einer roten Kugel in der Hand des Erzengels Michael.
Schlangenkirche (Yılanlı Kilise)—ein Fresko des hl. Georg, der einen Drachen tötet (daher der Name). In der Nähe ein ungewöhnliches Bild: der hl. Onuphrius mit Frauenbrüsten und Männerbart.
Sandalenkirche (Çarıklı Kilise)—benannt nach fußabdruckähnlichen Markierungen im Boden am Eingang. Fresken aus dem 12. Jahrhundert in gutem Zustand.
Nonnenkloster—ein mehrstöckiger Komplex mit Zellen, Refektorium und Kapelle. Man kann sich vorstellen, wie hier vor tausend Jahren Nonnen lebten.
Fresken: Was sie zeigen
Die Kirchenmalereien Kappadokiens zeigen Evangelienszenen: Geburt, Taufe, Verklärung, Kreuzigung, Auferstehung. Auch Heilige, Propheten, Erzengel.
Der Stil ist provinziell-byzantinisch. Nicht so verfeinert wie Konstantinopel, aber mit besonderem Charme. Figuren sind ausdrucksstark, Farben lebhaft, Kompositionen auch ohne Vorbereitung verständlich.
Viele Gesichter sind zerkratzt—Ergebnis des Ikonoklasmus (8.-9. Jh.) und des muslimischen Bilderverbots. Aber das Gesamtbild ist erhalten.
Praktische Informationen
Das Museum ist von 8:00 bis 19:00 Uhr geöffnet (Sommer) bzw. 17:00 Uhr (Winter). Die Dunkle Kirche schließt eine Stunde früher.
Hauptticket plus separates Ticket für die Dunkle Kirche. Der türkische Museumspass gilt.
Planen Sie mindestens 2 Stunden für die Besichtigung ein, besser 3. Kommen Sie früh morgens—mittags kommen die Touristenbusse.
In den Kirchen—kein Fotografieren (definitiv nicht mit Blitz, ohne Blitz unterschiedlich). Große Rucksäcke am besten in der Aufbewahrung lassen.
Anreise
Das Museum liegt 1,5 km vom Zentrum Göremes entfernt—ein angenehmer 20-minütiger Spaziergang vorbei an Feenkaminen. Oder nehmen Sie ein Taxi/Dolmuş.
Von Nevşehir und Ürgüp—regelmäßige Busse nach Göreme, dann zu Fuß.
Was noch in der Nähe ist
Tokalı-Kirche (Tokalı Kilise)—100 Meter vom Museumseingang, Ticket inbegriffen. Kappadokiens größte Felsenkirche mit prächtigen Fresken aus dem 10. Jahrhundert. Viele überspringen sie—machen Sie diesen Fehler nicht.
Schwerttal (Kılıçlar Vadisi)—Wanderweg vom Museum mit Blick auf Felsformationen.
Burg Uçhisar—wenige Kilometer entfernt, von weitem sichtbar.
Atmosphäre und Charakter
Das Göreme-Museum ist, wo Natur und Glaube etwas Einzigartiges schufen. Menschen bauten diese Kirchen nicht—sie meißelten sie aus dem Felsen, wie Bildhauer, die Form aus Stein befreien.
Vor tausend Jahren beteten hier Mönche, versteckten sich vor der Welt in Höhlen. Heute kommen Touristen—aber das Gefühl der Heiligkeit bleibt. In der Dämmerung der Felsentempel, unter dem Blick alter Gesichter, verlangsamt sich die Zeit.
Nach dem Museum wandern Sie durch die umliegenden Täler. Feenkamine, verlassene Wohnungen, Pfade zwischen Felsen—alles ist eine Geschichte. Das Museum liefert den Kontext; die Täler liefern den Raum.