Alexandria
Alexandria 2026: Was du wissen musst
Alexandria ist nicht Kairo. Das muss man verstehen, bevor man kommt. Waehrend die Hauptstadt laut, staubig und ueberwältigend sein kann, bietet Alexandria eine mediterrane Brise, eine kosmopolitische Geschichte und einen entspannteren Rhythmus. Die Stadt war einst das intellektuelle Zentrum der antiken Welt — hier stand der legendaere Leuchtturm, eines der Sieben Weltwunder, und die groesste Bibliothek der Antike.
Heute ist Alexandria eine Hafenstadt mit etwa fuenf Millionen Einwohnern, die zwischen verblasstem Glanz und modernem Chaos balanciert. Die Architektur erzaehlt Geschichten: neoklassizistische Gebaeude aus der britischen Kolonialzeit stehen neben Betonbloecken aus den 1970ern. Ueberall riecht es nach Salz und gegrilltem Fisch. Die Corniche von Alexandria erstreckt sich ueber 20 Kilometer entlang der Kueste — abends flanieren hier Familien, Paerchen und Fischer.
Fuer deutschsprachige Reisende ist Alexandria ueberraschend zugaenglich. Die touristische Infrastruktur existiert, ohne aufdringlich zu sein. Du wirst weniger bedraengt als in Kairo, aber auch weniger Englisch hoeren. Ein paar Brocken Arabisch oeffnen Tueren — 'Shukran' (Danke) und 'Bekam?' (Wie viel?) reichen fuer den Anfang. Die Preise sind deutlich niedriger als in Europa: Ein komplettes Mittagessen kostet 3-5 EUR, ein Taxi quer durch die Stadt selten mehr als 4 EUR.
Viertel: Wo uebernachten
Downtown und Raml Station
Das historische Zentrum rund um den Raml-Platz (Midan Saad Zaghloul) ist der logische Ausgangspunkt. Hier findest du die hoechste Dichte an Hotels, Restaurants und historischen Sehenswuerdigkeiten. Die Bibliotheca Alexandrina liegt nur zehn Gehminuten entfernt, das Nationalmuseum von Alexandria ist praktisch um die Ecke.
Vorteile: Zentrale Lage, gute Anbindung an die Strassenbahn, Restaurants und Cafes zu Fuss erreichbar. Die meisten historischen Hotels wie das legendaere Cecil Hotel (heute Steigenberger) befinden sich hier. Preislich findest du alles: von einfachen Pensionen fuer 25-40 EUR bis zu Vier-Sterne-Haeusern fuer 80-120 EUR pro Nacht.
Nachteile: Laut, besonders abends und an Wochenenden. Der Verkehr ist chaotisch, Fussgaenger haben keine Prioritaet. Die Gebaeude sind oft in schlechtem Zustand — pruefe Fotos genau, bevor du buchst. Manche 'historische' Hotels leben mehr von ihrer Vergangenheit als von ihrer Gegenwart.
Empfehlung: Perfekt fuer Erstbesucher, die zu Fuss erkunden wollen. Buche ein Zimmer zur Meerseite — der Ausblick entschaedigt fuer den Strassenlarm.
Montazah und Maamoura
Im Osten der Stadt liegt das gehobenere Viertel rund um den Montazah-Palast und Garten. Hier verbrachten einst die aegyptischen Koenige ihre Sommer, heute ist es ein oeffentlicher Park mit Straenden und Gaerten. Die Gegend ist ruhiger, gruener und deutlich weniger hektisch als das Zentrum.
Vorteile: Sauberere Straende, weniger Verkehr, gehobenere Hotels und Resorts. Die Luft ist spuerbar besser. Ideal fuer Familien oder Reisende, die Entspannung suchen. Hotels kosten hier 60-150 EUR pro Nacht, bieten aber oft Pools und Privatstraende.
Nachteile: Abseits der Sehenswuerdigkeiten — du brauchst 30-45 Minuten mit Taxi oder Uber ins Zentrum. Abends ist wenig los, die Restaurantauswahl ist begrenzt. Fuer einen Stadtbummel musst du jedes Mal fahren.
Empfehlung: Gut fuer laengere Aufenthalte oder wenn du Alexandria mit Strandurlaub kombinieren willst. Weniger geeignet fuer kurze Trips von zwei bis drei Tagen.
San Stefano und Gleem
Zwischen Zentrum und Montazah liegt dieses gemuetliche Wohnviertel mit dem modernen San Stefano Grand Plaza — einem Einkaufszentrum mit angeschlossenem Fuenf-Sterne-Hotel. Die Gegend hat einen mediterranen Charme: Strassencafes, Baeume, gepflegte Fassaden.
Vorteile: Guter Kompromiss zwischen Zentrum und Ruhe. Moderne Infrastruktur (Supermaerkte, Apotheken, ATMs), aber weniger touristisch. Mit der Strassenbahn erreichst du das Zentrum in 15-20 Minuten. Hotels hier kosten 50-100 EUR.
Nachteile: Wenig 'Authentisches' — die Gegend koennte auch in Istanbul oder Beirut sein. Keine eigentlichen Sehenswuerdigkeiten in Laufnaehe. Der Strand ist maessig.
Empfehlung: Ideal fuer Reisende, die Komfort schaetzen, aber nicht im Chaos wohnen wollen. Gute Basis fuer Tagesausfluege.
Anfushi und der alte Hafen
Das authentischste Viertel liegt rund um den oestlichen Hafen, in der Naehe der Zitadelle von Qaitbay. Hier leben Fischer, hier riechen die Gassen nach Meer und gebratenem Fisch. Die Architektur ist alt, manchmal verfallen, aber voller Charakter.
Vorteile: Echtes alexandrinisches Leben, fantastische Fischrestaurants, atmosphaerische Straßen. Hotels sind guenstig (20-50 EUR), oft familiaer gefuehrt. Die Zitadelle ist zu Fuss erreichbar, abends ist die Gegend lebendig.
Nachteile: Kaum internationale Hotels, Komfort ist begrenzt. Die Gegend kann nachts laut werden (Fischer starten frueh morgens). Fuer alleinreisende Frauen nach Einbruch der Dunkelheit nicht die beste Wahl. Die Strassenbahn faehrt nicht direkt hierher.
Empfehlung: Fuer abenteuerlustige Reisende, die Authentizitaet ueber Komfort stellen. Perfekt fuer ein paar Naechte, wenn du das echte Alexandria erleben willst.
Beste Reisezeit
Alexandria hat ein mediterranes Klima — milder als Kairo, aber waermer als Suedeuropa. Die Stadt ist gaenzjaehrig bereisbar, aber die Saisons unterscheiden sich deutlich.
Fruehling (Maerz bis Mai)
Die beste Zeit fuer einen Besuch. Temperaturen zwischen 18 und 26 Grad, wenig Regen, angenehme Meeresbrisen. Die Stadt erwacht nach dem Winter: Parks bluehen, Cafes oeffnen ihre Terrassen. Ostern bringt mehr Besucher aus Kairo, aber keine Ueberfullung. Achtung: Im April kann der Khamsin wehen — ein heisser Wuestenwind, der Sand mitbringt. Diese Episoden dauern zwei bis drei Tage und machen Sightseeing unangenehm.
Sommer (Juni bis August)
Hochsaison fuer aegyptische Touristen. Familien aus Kairo fluechten vor der Hauptstadt-Hitze an die Kueste. Strände sind voll, Hotels teurer (20-30% Aufschlag), Verkehr noch chaotischer. Temperaturen um 30-33 Grad, hohe Luftfeuchtigkeit. Vorteil: Das Meer ist warm genug zum Schwimmen. Nachteil: Du teilst die Stadt mit Millionen Kairoern. Reservierungen sind Pflicht.
Herbst (September bis November)
Exzellente Reisezeit, aehnlich dem Fruehling. Ab Mitte September leeren sich die Straende, Preise fallen. Oktober bietet perfekte 22-27 Grad, wenig Regen, ruhigere Sehenswuerdigkeiten. November kann kuehler werden (18-22 Grad), abends brauchst du einen Pullover. Das Meer bleibt bis Oktober badetauglich.
Winter (Dezember bis Februar)
Die Nebensaison. Temperaturen zwischen 12 und 18 Grad — kalt fuer aegyptische Verhaeltnisse, fuer Mitteleuropaeer angenehm. Gelegentlich Regen, manchmal Stuerme mit hohen Wellen. Die Stadt ist leer, Preise am niedrigsten. Ideal fuer: Museumsbesuche, historische Erkundungen, entspanntes Flanieren. Nicht ideal fuer: Strandurlaub, Wassersport.
Meine Empfehlung: Ende Maerz bis Anfang Mai oder Oktober. Du bekommst das beste Wetter, normale Preise und eine Stadt, die atmet, ohne zu keuchen.
Reiseroute: 2 bis 5 Tage
Tag 1: Das antike Erbe
Starte frueh bei den Katakomben von Kom El Shoqafa — sie oeffnen um 9:00 Uhr, und du willst vor den Reisegruppen da sein. Diese unterirdischen Grabkammern aus dem 2. Jahrhundert sind einzigartig: eine Mischung aus aegyptischer, griechischer und roemischer Kunst. Plane 60-90 Minuten ein. Eintritt: etwa 200 EGP (ca. 4 EUR).
Von dort sind es zehn Minuten zu Fuss zur Pompejussaeule — Alexandrias aeltestes erhaltenes Monument. Die 27 Meter hohe Saeule aus rotem Granit steht allein auf einem Huegel, umgeben von Ruinen des Serapeums. Der Ausblick ueber die Stadt ist bemerkenswert. Rechne 45 Minuten, Eintritt etwa 100 EGP (2 EUR).
Mittagessen im Viertel: Suche ein lokales Kushari-Restaurant (Aegyptens Nationalgericht — Reis, Linsen, Nudeln, Tomatensauce). Eine grosse Portion kostet 25-40 EGP (unter 1 EUR). Keine Touristenfalle, keine englische Speisekarte — das ist gut so.
Nachmittags das Roemische Amphitheater (Kom el-Dikka). Das einzige roemische Theater in Aegypten wurde zufaellig bei Bauarbeiten entdeckt. Beeindruckend erhaltene Marmorsitze, Mosaike und eine gute Akustik. 45-60 Minuten, Eintritt etwa 100 EGP.
Abends Spaziergang entlang der Corniche von Alexandria. Beginne am Raml-Platz und laufe Richtung Osten. Die Sonne geht ueber dem Meer unter, Strassenhändler verkaufen Mais und Lupinenbohnen, Familien geniessen die kuehle Luft. Das ist Alexandria in seiner Essenz.
Tag 2: Wissen und Meer
Morgens zur Bibliotheca Alexandrina. Das moderne Gebaeude (eroeffnet 2002) erinnert bewusst an die antike Bibliothek. Die Architektur allein ist einen Besuch wert — eine geneigte Scheibe, die ins Meer zu gleiten scheint. Innen: Millionen Buecher, wechselnde Ausstellungen, ein Planetarium. Plane 2-3 Stunden. Eintritt: etwa 70 EGP (1,50 EUR), Planetarium extra.
Direkt nebenan das Nationalmuseum von Alexandria. Drei Etagen fuehren durch 2500 Jahre Stadtgeschichte — von der Gruendung durch Alexander den Grossen bis zur Moderne. Die Sammlung ist ueberschaubar (du brauchst keine fuenf Stunden wie im Aegyptischen Museum in Kairo), aber exzellent kuratiert. 90 Minuten genuegen.
Mittagessen an der Corniche in einem der Fischrestaurants. Bestelle frischen Fisch nach Gewicht (150-250 EGP pro Kilo, etwa 3-5 EUR), dazu Salate, Brot und Tahini. Das Restaurant waehlt dir den besten Fang des Tages.
Nachmittags zur Zitadelle von Qaitbay am oestlichen Hafeneingang. Diese Festung aus dem 15. Jahrhundert steht genau dort, wo einst der Leuchtturm stand — eines der Sieben Weltwunder. Das Bauwerk selbst ist beeindruckend, der Blick aufs Mittelmeer atemberaubend. Komm zum Sonnenuntergang, wenn das Licht golden wird. 60-90 Minuten, Eintritt etwa 100 EGP.
Abendessen in Anfushi, dem Fischerviertel unterhalb der Zitadelle. Die Restaurants hier sind keine Touristenfallen — du sitzt neben Fischern und ihren Familien. Frischer geht nicht.
Tag 3: Koenige und Juwelen
Morgens das Koenigliche Schmuckmuseum in Zizinia. In einer prunkvollen Villa der Koenigin Fatma al-Zahra findest du die Juwelen der aegyptischen Monarchie — Diademe, Broschen, Uhren, Tafelsilber. Die Raeume selbst sind oft beeindruckender als die Ausstellungsstuecke. 90-120 Minuten, Eintritt etwa 200 EGP.
Weiter zum Montazah-Palast und Garten im Osten der Stadt. Der Palast selbst (Sommerresidenz von Koenig Farouk) ist nicht zugaenglich, aber die Gaerten sind oeffentlich: 60 Hektar Palmen, Blumenbeete und Meerblick. Hier kannst du entspannen, picknicken oder am Privatstrand baden (extra Eintritt). Plane 2-3 Stunden fuer Park und Strand. Parkeintritt etwa 50 EGP.
Abends zurueck ins Zentrum: Spaziergang durch das griechisch-roemische Viertel, vorbei an der alten Borse, dem ehemaligen Opernhaus (heute Ruine) und den Antiquitaetenlaeden der Attarine-Strasse. Ein Tee im Pastroudis oder einem anderen historischen Cafe rundet den Tag ab.
Tag 4: Stanley und die Ostkueste
Die Stanley-Bruecke ist Alexandrias modernes Wahrzeichen — eine elegante Bogenbruecke ueber eine kleine Bucht. Morgens ist sie leer und fotogen, abends beleuchtet und romantisch. Darunter liegt ein kleiner Strand, daneben Cafes und Restaurants.
Erkunde die Viertel San Stefano und Gleem zu Fuss. Hier siehst du das moderne Alexandria: Einkaufszentren, Universitaeten, junge Aegypter in Cafes. Das San Stefano Mall bietet klimatisierte Pause und westliche Marken, falls du etwas vergessen hast.
Nachmittags ein Ausflug nach Abu Qir, 20 km oestlich. Dieses Fischerdorf ist beruehmt fuer seine Meeresfruechte — hier kommen Kairoer hin, wenn sie wirklich gut essen wollen. Die Restaurants an der Wasserkante servieren Krabben, Tintenfisch und Fisch direkt vom Boot. Ein Taxi kostet 150-200 EGP pro Strecke (3-4 EUR).
Tag 5: Freier Tag und Abschied
Nutze den letzten Tag fuer das, was du verpasst hast — oder wiederhole Lieblingsorte. Empfehlungen: Ein zweiter Besuch der Corniche (morgens ist sie ruhiger), ein Gang durch den Fischmarkt von Anfushi (frueh morgens, wenn die Boote anlegen), oder ein Ausflug zur Wuestenkueste westlich der Stadt (El Alamein liegt 100 km entfernt — erreichbar mit Auto oder Bus).
Kaufe Souvenirs in der Attarine-Strasse: Antiquitaeten (Vorsicht bei 'antiken' Stuecken), Gewuerze, Stoffe. Die Preise sind verhandelbar — starte bei 50% des genannten Preises.
Alternative fuer 2-3 Tage: Konzentriere dich auf Tag 1 und 2, kombiniere das Beste von Tag 3 (Schmuckmuseum ODER Montazah, nicht beides) in einen halben Tag.
Wo essen: Restaurants
Fischrestaurants
Fish Market (Anfushi): Das bekannteste Restaurant der Stadt, direkt am oestlichen Hafen. Du waehlst deinen Fisch aus der Auslage (nach Gewicht), er wird gegrillt oder gebraten. Rechne 200-400 EGP pro Person (4-8 EUR) fuer ein komplettes Mahl mit Vorspeisen. Reservierung am Wochenende empfohlen. Die Atmosphaere ist lebhaft, der Service schnell, die Qualitaet konstant hoch.
Kadoura: Eine Institution seit Jahrzehnten, mehrere Filialen in der Stadt. Die Niederlassung an der Corniche bietet Meerblick, die in Anfushi mehr Authentizitaet. Aehnliche Preise wie Fish Market, aber oft weniger Warteschlange. Probiere die Calamari und die Garnelen in Knoblauchbutter.
Balbaa Village: Etwas ausserhalb in Agami, bekannt fuer ueberdimensionale Portionen und familiaere Atmosphaere. Hier essen Aegypter Fisch fuer Familienfeiern. Die Anfahrt lohnt nur mit Taxi (ca. 100 EGP). Preisniveau mittel, etwa 150-300 EGP pro Person.
Aegyptische Kueche
Mohamed Ahmed: Der beste Ort fuer Foul und Falafel (hier: Taamiya) in Alexandria. Ein einfaches Lokal, seit Generationen familiaer betrieben. Ein komplettes Fruehstueck mit Foul, Taamiya, Eiern und Salat kostet unter 50 EGP (1 EUR). Oeffnet frueh, schliesst nachmittags — ein klassisches Fruehstueckslokal.
Abou Ashraf: Legendaeres Straßenrestaurant in der Naehe des Raml-Platzes. Spezialisiert auf Kushari und Leber-Sandwiches (klingt gewoehnungsbeduerftig, schmeckt fantastisch). Preise unter 50 EGP fuer eine volle Mahlzeit. Kein Schnickschnack, pures Alexandria.
El Sheikh Wafik: Gehobene aegyptische Kueche in modernem Ambiente. Hier bekommst du traditionelle Gerichte elegant serviert — Molokhiya (Jutesuppe mit Huhn), Hamam Mahshi (gefuellte Taube), Kofta. Rechne 200-350 EGP pro Person (4-7 EUR). Alkohol nicht verfuegbar, aber frische Saefte und aegyptischer Tee sind exzellent.
International und Cafes
Trianon: Ein Art-Deco-Cafe aus den 1920ern am Raml-Platz. Die Inneneinrichtung allein ist einen Besuch wert — holzgetaefelte Waende, Marmortische, Kristallleuchter. Der Kaffee ist okay, die Patisserie gut, die Atmosphaere unbezahlbar. Ein Tee mit Kuchen kostet etwa 100 EGP (2 EUR).
Delices: Noch ein historisches Cafe, beruehmt fuer seine Kuchen und Eiscreme. Die heisse Schokolade im Winter ist legendaer. Mehrere Filialen, die in der Saad Zaghloul-Strasse ist die atmosphaerischste.
Grand Cafe: Im Steigenberger Cecil Hotel, mit Terrasse zur Corniche. Hier fruehstueckten einst Churchill und Somerset Maugham. Die Preise sind hoeher (Fruehstuecksbuffet ca. 300 EGP / 6 EUR), aber fuer einen besonderen Anlass angemessen.
China House (San Stefano): Wenn du nach Tagen von Fisch und Foul etwas anderes brauchst. Solide chinesische Kueche, klimatisiert, internationale Standards. 200-400 EGP pro Person. Nicht aufregend, aber zuverlaessig.
Was probieren: Essen
Fruehstueck
Foul Medames: Aegyptens Nationalgericht Nummer eins. Langsam gekochte Saubohnen mit Olivenoel, Zitrone, Kreuzkuemmel, Knoblauch. Wird mit frischem Baladi-Brot serviert, oft mit gekochten Eiern. In Alexandria traditionell herzhafter gewuerzt als in Kairo. Probiere es bei Mohamed Ahmed — dort kochen sie das Foul seit 50 Jahren im gleichen Topf.
Taamiya: Die aegyptische Falafel, aber gruener (aus Saubohnen statt Kichererbsen) und flacher als die libanesische Version. Aussen knusprig, innen feucht und kraeuterig. Mit Tahini und eingelegtem Gemuese im Brot — das perfekte Fruehstueck fuer unter 30 EGP.
Mittagessen
Alexandriner Fisch: Die Stadt ist beruehmt fuer ihre Meeresfrüchte. Bestelle 'Samak Mashwi' (gegrillter Fisch) oder 'Samak Magli' (gebratener Fisch). Barsch (Bouri), Seebrasse (Dennis) und Meeraesche (Bouri) sind die besten Optionen. Dazu Reis, Salat und Tahini. Frischer geht nicht — die Boote landen morgens an.
Calamari: In Alexandria eine Kunstform. Gegrillt, gebraten oder gefuellt mit Reis und Kraeutern. Die besten Calamari findest du in Anfushi — frag nach 'Calamari Mahshi' (gefuellt).
Kushari: Aegyptens ultimatives Comfort Food — Reis, Linsen, Nudeln, Kichererbsen, frittierte Zwiebeln und scharfe Tomatensauce. Klingt chaotisch, schmeckt harmonisch. Eine grosse Portion kostet 30-50 EGP und macht satt fuer Stunden. Vegetarisch und vegan.
Snacks und Strasse
Shawarma: Die aegyptische Version ist weniger fettig als anderswo. Am besten im Brot mit Tahini und eingelegten Gurken. Rechne 50-80 EGP fuer ein grosses Sandwich.
Termis: Lupinenbohnen in Salzlake — ein klassischer Corniche-Snack. Strassenhaendler verkaufen sie in Papiertüten (10-20 EGP). Salzig, proteinreich, macht suechtig. Iss sie wie Sonnenblumenkerne — die Schale abpulen, den Kern kauen.
Gebratener Mais: Ueberall an der Corniche. Ein Kolben kostet 10-20 EGP und wird mit Salz serviert. Einfach, aber perfekt fuer den Abendspaziergang.
Suesses
Baklava und Basbousa: Die aegyptischen Versionen sind weniger suess als die tuerkischen. Probiere sie in einer Konditorei wie Delices oder kaufe sie im Souk nach Gewicht. 200 Gramm kosten etwa 80 EGP (1,60 EUR).
Om Ali: Ein warmes Dessert aus Blaetterteig, Milch, Nuessen und Rosinen — wie ein Brotpudding, aber reicher. In kalten Winternaechten die perfekte Waermung. Etwa 50-80 EGP in Restaurants.
Eis: Alexandria hat eine italienische Eistradition (Erbe der griechischen und italienischen Gemeinschaft). Delices und Azza Ice Cream sind lokale Institutionen. Ein Becher kostet 40-70 EGP.
Lokale Geheimnisse: Insider-Tipps
Timings, die niemand erwaehnt
Der Freitag ist Alexandrias ruhigster Tag — viele Geschaefte oeffnen erst nach dem Mittagsgebet (14:00 Uhr), Museen sind voller Familien. Plane Sightseeing fuer Samstag bis Donnerstag. Andererseits: Die Corniche am Freitagabend ist ein Erlebnis. Halb Alexandria scheint draussen zu sein.
Die Katakomben von Kom El Shoqafa sind am fruehen Morgen (9:00-10:00) und am spaeten Nachmittag (15:00-16:00) am leersten. Zwischen 11:00 und 14:00 kommen die Reisegruppen aus Kairo.
Geld und Preise
Handeln ist erwartet — ausser in Restaurants und Supermärkten. In Souks und bei Strassenhaendlern starte bei 50% des genannten Preises. Taxifahrer nennen oft den dreifachen Normalpreis; kenne die ungefahren Kosten vorher (Uber zeigt sie an, auch wenn du es nicht nutzt).
Wechselstuben am Raml-Platz bieten bessere Kurse als Flughafen oder Hotels. Aber: Wechsle nicht bei Strassenhaendlern, auch wenn sie 'bessere Kurse' versprechen — Betrug ist moeglich.
Die Strassenbahn
Alexandrias Tram ist die aelteste in Afrika und eine Attraktion fuer sich. Eine Fahrt kostet 3-5 EGP (unter 10 Cent) und verbindet das Zentrum mit den oestlichen Vierteln. Die gelben Waggons sind vintage, die Atmosphaere authentisch. Linie 1 (nach Raml Station) und Linie 2 (nach Victoria) decken die meisten touristischen Ziele ab.
Wichtig: Die Tram hat getrennte Wagen fuer Maenner und Frauen — der erste Wagen ist nur fuer Frauen, der Rest gemischt. Touristen werden toleriert, wenn sie unwissentlich falsch einsteigen, aber die Trennung respektieren ist hoeflicher.
Kommunikation
Aegyptisches Arabisch klingt anders als das, was du vielleicht gelernt hast. Der Buchstabe 'Qaf' wird in Alexandria oft als 'Ah' ausgesprochen — 'Qahira' (Kairo) wird zu 'Ahira'. Keine Panik, Alexandriner sind geduldig mit Lernenden.
Englisch ist weniger verbreitet als in Kairo. Jüngere Aegypter sprechen oft passabel, aeltere selten. Google Translate mit Arabisch-Download hilft enorm. Die Aegypter schaetzen jeden Versuch, Arabisch zu sprechen — selbst 'Sabah el-kheir' (Guten Morgen) oeffnet Tueren.
Versteckte Orte
Das Griechisch-Roemische Viertel hinter der Attarine-Moschee birgt versteckte Antiquitaetenlaeden. Hier findest du alte Karten, Kolonialmoebel und manchmal echte Schaetze. Die Ladenbesitzer sprechen oft Franzoesisch oder Griechisch — Ueberbleibsel der kosmopolitischen Vergangenheit.
Die Kaffeehauser in Anfushi abseits der Hauptstrassen sind reine Maennerwelt — aber auslaendische Touristen beiderlei Geschlechts werden oft eingeladen, mitzusitzen. Ein Tee kostet 10 EGP, die Gespraeche sind unbezahlbar. Akzeptiere die Gastfreundschaft, bestelle eine Shisha, und lass dir Alexandria erklaeren.
Transport und Verbindung
Anreise aus dem deutschsprachigen Raum
Direktflüge nach Alexandria (Borg El Arab Airport, HBE) sind selten. Die meisten Reisenden fliegen nach Kairo (CAI) und nehmen dann Zug oder Bus. Ab Frankfurt, Muenchen, Wien oder Zuerich gibt es taegliche Verbindungen nach Kairo mit Egyptair, Lufthansa oder Swiss. Fluege kosten 400-700 EUR retour, je nach Saison und Buchungszeitpunkt.
Von Kairo nach Alexandria:
- Zug: Die beste Option. Zuege fahren vom Ramses-Bahnhof alle 1-2 Stunden, Fahrtzeit 2,5-3 Stunden. Erste Klasse kostet etwa 150-200 EGP (3-4 EUR), zweite Klasse 80-120 EGP. Klimatisierte Zuege (AC) sind empfehlenswert. Tickets am Schalter oder online bei ENR (Egyptian National Railways).
- Bus: Go Bus und West Delta fahren regelmaessig vom Abdel Moniem Riad-Platz (nahe Tahrir). Fahrtzeit 2,5-3 Stunden, Kosten 100-150 EGP. Klimatisiert, WiFi verfuegbar. Online-Buchung bei gobus.com.eg.
- Privattaxi/Uber: Ab 800-1200 EGP (15-25 EUR) fuer die Fahrt, 2-3 Stunden je nach Verkehr. Bequem, aber teuer fuer Alleinreisende.
Innerhalb Alexandrias
Uber und Careem: Funktionieren zuverlaessig, Preise werden vorab angezeigt. Eine Fahrt quer durch die Stadt kostet 50-150 EGP (1-3 EUR). Die App braucht aegyptisches Internet (SIM-Karte oder Roaming) — buche vor der Ankunft.
Taxis: Weisse Taxis mit Taxameter sind offiziell — aber das Taxameter funktioniert selten. Handle den Preis vorher aus. Faustregeln: Raml zu Montazah = 100-150 EGP, Raml zur Zitadelle = 50-80 EGP. Viele Fahrer sprechen kein Englisch — schreibe das Ziel auf Arabisch auf (Hotelrezeption hilft).
Strassenbahn: Guenstig (3-5 EGP), aber langsam. Gut fuer kurze Strecken im Zentrum und fuer das Erlebnis selbst. Liniennetz ist auf Google Maps nicht akkurat — frag vor Ort.
Mikrobusse: Noch guenstiger (2-3 EGP), aber ohne Arabischkenntnisse kaum nutzbar. Die Routen sind nicht markiert, die Fahrer schreien die Ziele. Fuer abenteuerlustige Reisende ein Erlebnis — fuer den Normaltouristen nicht zu empfehlen.
Internet und Kommunikation
Aegyptische SIM-Karten (Vodafone, Orange, Etisalat) kosten etwa 100-200 EGP und bieten 5-20 GB Daten fuer einen Monat. Registrierung mit Reisepass am Flughafen oder in Geschaeften. Fuer kuerzere Trips reicht oft europaeisches Roaming (pruefe die Kosten deines Anbieters) oder eSIM (Airalo, Holafly).
Kostenloses WiFi gibt es in den meisten Hotels und gehobenen Cafes. Die Geschwindigkeit variiert stark — fuer Videoanrufe oder grosse Uploads ist eine SIM-Karte zuverlaessiger.
VPN: Aegypten blockiert gelegentlich VoIP-Dienste (WhatsApp-Anrufe, Skype). Ein VPN hilft — lade es vor der Ankunft herunter, da VPN-Websites manchmal gesperrt sind.
Fuer wen ist Alexandria: Fazit
Alexandria ist fuer Reisende, die Aegypten jenseits der Pyramiden suchen. Fuer Geschichtsinteressierte, die griechisch-roemische Spuren verfolgen wollen. Fuer Feinschmecker, die frischen Fisch und authentische aegyptische Kueche schaetzen. Fuer Romantiker, die sich in verblassten Kolonialvillen und Meerblick-Sonnenuntergaengen verlieren moechten.
Die Stadt ist nicht fuer Reisende, die perfekte Infrastruktur, saubere Straende oder durchorganisierte Touren erwarten. Der Charme liegt im leichten Verfall, in den Widerspruechen, im Chaos mit Meerblick. Wer Hurghada sucht, ist hier falsch. Wer Istanbul am Mittelmeer sucht — mit weniger Touristen und mehr Geheimnis — ist richtig.
Drei Tage genuegen fuer die Highlights. Fuenf Tage erlauben Tiefe. Eine Woche laesst dich ankommen. Alexandria belohnt langsames Reisen — setz dich in ein Cafe, bestelle Tee, und lass die Stadt zu dir kommen.