Bibliotheca Alexandrina
Die Bibliotheca Alexandrina ist ein Symbol der Wiedergeburt. Die antike Bibliothek, das größte Wissensrepositorium der klassischen Welt, ging vor vielen Jahrhunderten unter. Aber 2002 eröffnete am selben Ort ein neuer Tempel des Wissens – die Bibliotheca Alexandrina, ein architektonisches Meisterwerk und Kulturzentrum von weltweiter Bedeutung.
Die Legende der antiken Bibliothek
Die antike Bibliothek von Alexandria wurde um 300 v. Chr. von Ptolemaios I., einem der Generäle Alexanders des Großen, gegründet. Die Mission war ehrgeizig: alles Wissen der Welt unter einem Dach zu sammeln.
Die Sammelmethoden waren rücksichtslos. Jedes Schiff, das in den Hafen von Alexandria einlief, wurde nach Büchern durchsucht. Schriftrollen wurden beschlagnahmt, kopiert (manchmal wurden Kopien zurückgegeben, während die Originale in der Bibliothek blieben) und katalogisiert.
Auf ihrem Höhepunkt beherbergte die Bibliothek zwischen 400.000 und 700.000 Schriftrollen. Die größten Gelehrten der Antike arbeiteten hier: Euklid, Archimedes, Eratosthenes (der als erster den Erdumfang berechnete). Dies war das Google und Harvard der antiken Welt in einem.
Wie die Bibliothek unterging, wird noch debattiert. Höchstwahrscheinlich war es ein allmählicher Niedergang: Brand während Caesars Belagerung, Zerstörung unter Aurelian, Dekrete christlicher Kaiser. Im 5. Jahrhundert war nichts mehr vom größten Buchrepositorium übrig.
Wiedergeburt: Bibliotheca Alexandrina
Die Idee, die Bibliothek wiederzubeleben, entstand 1974. Das Projekt wurde von der UNESCO, der ägyptischen Regierung und der internationalen Gemeinschaft unterstützt. Der Bau begann 1995, die Eröffnung war 2002.
Den Architekturwettbewerb gewann die norwegische Firma Snøhetta. Ihr Design – eine geneigte, teilweise im Boden versunkene Scheibe – symbolisiert die aufgehende Sonne des Wissens über dem Mittelmeer.
Das Projekt kostete etwa 220 Millionen Dollar. Die Finanzierung kam aus aller Welt: Saudi-Arabien steuerte 20 Millionen bei, der Irak (unter Saddam) 21 Millionen, Dutzende von Ländern beteiligten sich.
Architektur
Das Hauptgebäude ist ein riesiger geneigter Zylinder mit 160 Metern Durchmesser. Das Dach aus Aluminium und Glas lässt natürliches Licht ein und schützt gleichzeitig die Bücher vor direktem Sonnenlicht. Der Lesesaal steigt in Terrassen zum Meer ab – einer der größten Lesesäle der Welt.
Die Außenwand ist mit Aswaner Granit verkleidet, in den Symbole von 120 Weltalphabeten eingemeißelt sind: von Hieroglyphen bis Kyrillisch, chinesische Zeichen bis Blindenschrift. Dies ist eine Botschaft über die Einheit des menschlichen Wissens.
In der Nähe stehen ein Konferenzzentrum, Planetarium und mehrere Museen. Der gesamte Komplex liegt an der Corniche-Uferpromenade mit Blick auf das Mittelmeer.
Sammlungen und Museen
Die Bibliothek ist für 8 Millionen Bücher ausgelegt, beherbergt derzeit aber etwa 2 Millionen. Besonderer Stolz sind die Sammlung seltener Manuskripte und Faksimile-Ausgaben antiker Texte.
Das Internet Archive spendete der Bibliothek eine Kopie seiner Sammlung – 10 Milliarden Webseiten. So hat die antike Idee – alles Weltwissen zu sammeln – digitale Form angenommen.
Der Komplex beherbergt mehrere Museen: das Antiquitätenmuseum (mit bei der Bauarbeiten gefundenen Artefakten), Manuskriptmuseum, Sadat-Museum, Museum für Wissenschaftsgeschichte. Das Planetarium bietet Shows über das Universum.
Kulturzentrum
Die Bibliotheca Alexandrina ist mehr als nur eine Bibliothek. Konferenzen, Ausstellungen, Vorträge finden hier statt. Konzertsäle beherbergen klassische und arabische Musik. Eine Kunstgalerie zeigt zeitgenössische Werke.
Vier Spezialbibliotheken sind in Betrieb: für Kinder, Jugendliche, Sehbehinderte und Multimedia. Offener Zugang ist das Prinzip: Jeder kann den Lesesaal betreten.
Praktische Informationen
Die Bibliothek liegt an der Corniche, 20 Minuten vom Bahnhof entfernt. Täglich außer Freitag geöffnet (10:00-19:00). Der Eintritt zum Lesesaal und zu den Ausstellungen erfordert ein Ticket. Führungen sind in mehreren Sprachen verfügbar.
Plane 2-3 Stunden für eine entspannte Erkundung ein. Allein die Architektur verdient Aufmerksamkeit. Das Planetarium erfordert ein separates Ticket und Vorausbuchung.
Atmosphäre und Tipps
Die Bibliotheca Alexandrina ist ein seltenes Beispiel einer großen Idee, die erfolgreich umgesetzt wurde. Wo einst das größte Repository der Antike stand, ist ein neues Wissenszentrum entstanden. Dies ist ein Ort, der inspiriert, unabhängig von deinen Lesegewohnheiten.
Nach dem Spaziergang durch die touristischen Basare von Kairo fühlt sich die Bibliothek wie ein anderes Ägypten an: modern, ambitioniert, zukunftsorientiert. Dies ist ein Symbol, dass das Land mehr ist als Pyramiden und Tempel – es ist eine lebendige Zivilisation, die die antike Tradition des Wissens fortsetzt.