Oase Siwa
Oase Siwa 2026: Was Sie wissen mussen
Siwa ist nicht Aegypten, wie Sie es kennen. Vergessen Sie die Pyramiden, die Nilkreuzfahrten und die Touristenmassen in Luxor. Hier, 560 Kilometer westlich von Kairo und nur 50 Kilometer von der libyschen Grenze entfernt, liegt eine Welt, die sich anfuehlt wie ein anderer Planet. Die Oase Siwa ist einer der abgelegensten bewohnten Orte Aegyptens, und genau das macht ihren Reiz aus.
Die rund 25.000 Einwohner sprechen Siwi, eine Berbersprache, die mit dem Arabischen nichts zu tun hat. Die Kultur hier ist konservativ, aber die Menschen sind unglaublich gastfreundlich. Frauen sollten Schultern und Knie bedecken, nicht aus Zwang, sondern aus Respekt. Die Maenner tragen traditionelle weisse Gewänder, die Frauen farbenprächtige Stickereien. Das ist kein Touristenspektakel, das ist Alltag.
Was Siwa einzigartig macht: Hier gibt es keine Hochhaeuser, keine Kettenhotels, keine Fast-Food-Restaurants. Die hoechsten Gebaeude sind die Ruinen der Festung Shali, die seit dem 13. Jahrhundert ueber der Oase thront. Darunter erstrecken sich Palmenhaine, Olivengaerten und kristallklare Quellen. Die Siwa-Salzseen schimmern in unwirklichen Tuerkistoenen, und nachts ist der Sternenhimmel so klar, dass Sie die Milchstrasse mit blossem Auge sehen koennen.
Die Anreise ist eine Expedition. Von Kairo sind es etwa acht Stunden mit dem Bus, von Alexandria sechs. Es gibt keinen Flughafen in Siwa, keine Bahnstation, keine Schnellstrasse. Genau das filtert die Pauschaltouristen heraus und sorgt dafuer, dass Siwa authentisch bleibt. Wer hierher kommt, sucht etwas Besonderes und findet es auch.
Viertel von Siwa: Wo ubernachten
Siwa ist klein genug, um alles zu Fuss oder mit dem Fahrrad zu erreichen, aber die Wahl der Unterkunft beeinflusst Ihr Erlebnis erheblich. Die Oase laesst sich grob in vier Bereiche einteilen, jeder mit eigenem Charakter.
Siwa-Zentrum (Shali-Bereich)
Das Herz der Oase liegt rund um die Festung Shali und den zentralen Marktplatz. Hier finden Sie die meisten Restaurants, Geschaefte und das taegliche Leben der Einheimischen. Die Unterkuenfte reichen von einfachen Pensionen ab 15 Euro pro Nacht bis zu charmanten Boutique-Hotels um die 60-80 Euro.
Adrasi Hotel: Ein familiaeres Haus direkt am Marktplatz. Die Zimmer sind einfach, aber sauber, mit traditionellen Lehmwaenden und Palmenholzdecken. Das Fruehstueck auf der Dachterrasse mit Blick auf die Ruinen ist jeden Morgen ein Erlebnis. Etwa 25-35 Euro pro Nacht inklusive Fruehstueck. Die Familie spricht etwas Englisch und hilft bei der Organisation von Ausfluegen.
Shali Lodge: Gehoben, aber authentisch. Gebaut aus Kershef, dem traditionellen Siwa-Material aus Salz und Lehm. Die Zimmer haben keine Klimaanlage, dafuer halten die dicken Waende die Hitze draussen. Pool im Innenhof, Restaurant mit lokaler Kueche. Um die 80-100 Euro, aber jeden Cent wert fuer die Atmosphaere.
Vorteile Zentrum: Kurze Wege zu allem, Restaurants und Cafes fusslaeufeig, Markt fuer Selbstversorger, Geldautomat in der Naehe (der einzige in Siwa, oft ohne Bargeld, also vorher genuegend mitnehmen).
Nachteile: Etwas lauter durch Eselskarren und Motorraeder, weniger Sternenhimmel wegen Strassenbeleuchtung.
Gebiet um die Quellen (noerdlich)
Noerdlich des Zentrums, Richtung Kleopatra-Quelle, liegen einige der schoensten Unterkuenfte der Oase. Die Umgebung ist gruener, ruhiger und von Palmengaerten umgeben.
Siwa Safari Paradise Hotel: Mittelklasse-Option mit Pool und Garten. Die Zimmer sind modern, aber gesichtslos. Etwa 50-70 Euro. Gut fuer Familien, die etwas mehr Komfort wollen.
Taziry Ecolodge: Mein persoenlicher Favorit fuer alle, die Nachhaltigkeit schaetzen. Komplett aus natuerlichen Materialien gebaut, ohne Strom in den Zimmern (Kerzen und Laternen), vegetarische Bio-Kueche aus eigenem Garten. Die Stille hier ist beinahe ueberwaeltigend. Um die 120-150 Euro all-inclusive, was sich relativiert, wenn man bedenkt, dass alle Mahlzeiten inbegriffen sind. Reservierung Wochen im Voraus noetig.
Vorteile Quellengebiet: Ruhiger, gruener, naeher an den Naturattraktionen, weniger Touristen.
Nachteile: 15-20 Minuten zu Fuss ins Zentrum, abends wenig los, Fahrrad oder Eselkarren empfehlenswert.
Gebiet um Fatnas (westlich)
Die Fatnas-Insel liegt am westlichen Rand der Oase, umgeben von einem Salzsee. Hierher kommen alle zum Sonnenuntergang, aber die Gegend bietet auch Unterkuenfte abseits des Trubels.
Fatnas Island Camp: Einfache Huetten und Zelte direkt am Wasser. Die Ausstattung ist spartanisch, aber die Lage unbezahlbar. Sonnenuntergang vom Bett aus, Vogelgezwitscher als Wecker. Ab 20 Euro fuer ein Zelt, 35 Euro fuer eine Huette. Nur fuer abenteuerlustige Reisende.
Kelany Ecolodge: Etwas gehobenere Option in der Naehe von Fatnas. Traditionelle Architektur, eigener Garten, hausgemachte Mahlzeiten. Um die 70-90 Euro. Die Besitzer organisieren Ausfluege in die Grosse Sandwueste.
Vorteile Fatnas-Gebiet: Spektakulaere Sonnenuntergaenge, absolute Ruhe, authentische Atmosphaere.
Nachteile: 25-30 Minuten ins Zentrum, abends sehr dunkel (Taschenlampe Pflicht), eingeschraenkte Restaurantauswahl.
Wuestenrand (suedlich/oestlich)
Fuer das ultimative Siwa-Erlebnis gibt es einige Unterkuenfte direkt am Rand der Wueste oder sogar mitten drin. Diese sind fuer Abenteurer gedacht, die Abgeschiedenheit suchen.
Desert Rose Ecolodge: Am suedlichen Rand der Oase, mit Blick auf die Wueste. Einfache, aber stimmungsvolle Zimmer aus Lehm und Palmenholz. Nachts absolute Stille, nur der Wind. Um die 40-60 Euro. Ideal als Ausgangspunkt fuer Wuestensafaris.
Wuestencamps: Mehrere Anbieter organisieren Uebernachtungen in der Grossen Sandwueste mit Sternenbeobachtung. Eine Nacht unter freiem Himmel, umgeben von Duenen, ist ein unvergessliches Erlebnis. Preise variieren stark, etwa 80-150 Euro pro Person inklusive Transport, Abendessen und Fruehstueck.
Vorteile Wuestenrand: Unvergleichliche Atmosphaere, Sternenhimmel ohne Lichtvereschmutzung, Abenteuer-Feeling.
Nachteile: Weit vom Zentrum, eigener Transport noetig, nicht fuer jeden geeignet.
Meine Empfehlung
Fuer einen ersten Besuch empfehle ich zwei Naechte im Zentrum (zum Ankommen und Erkunden) und zwei bis drei Naechte in einer der Ecolodges ausserhalb. So erleben Sie beide Seiten von Siwa: das lebendige Dorf und die meditative Stille der Natur.
Beste Reisezeit fur Siwa
Siwa liegt mitten in der Wueste, und das Klima ist entsprechend extrem. Die richtige Jahreszeit macht den Unterschied zwischen einem traumhaften Urlaub und einer schweisstriefenden Tortur.
Hochsaison: Oktober bis April
Die beste Zeit fuer einen Besuch ist der spaete Herbst bis fruehe Fruehling. Von Oktober bis November sind die Temperaturen angenehm warm (25-30 Grad tagsueber, 15-20 Grad nachts), die Dattelpalmen tragen Fruechte, und die Oase erwacht nach der Sommerhitze. Der Dezember bis Februar kann nachts kuehl werden (bis zu 5 Grad), tagsüber bleibt es aber bei 18-25 Grad. Maerz und April werden waermer, bleiben aber ertraeglich.
Besondere Termine: Im Oktober findet das Siyaha-Festival statt, ein dreitaegiges Fest zur Versöhnung und Gemeinschaft. Tausende Siwa-Bewohner versammeln sich, um gemeinsam zu essen, zu beten und alte Streitigkeiten beizulegen. Als Aussenstehender koennen Sie beobachten, aber es ist ein privates Fest, keine Touristenattraktion. Respektvolle Distanz ist angebracht.
Nebensaison: Mai und September
Die Uebergangsmonate sind ein Kompromiss. Mai wird schon heiss (35-40 Grad), aber noch ertraeglich, wenn Sie frueh aufstehen und die Mittagshitze in einer schattigen Ecolodge verbringen. September ist aehnlich, mit dem Vorteil, dass die Touristenmassen noch nicht eingetroffen sind. Preise sind in diesen Monaten oft 20-30 Prozent niedriger.
Vermeiden: Juni bis August
Im Hochsommer erreicht Siwa Temperaturen von 45-50 Grad. Das ist keine Uebertreibung. Um 14 Uhr ist es draussen kaum auszuhalten, selbst im Schatten. Die meisten Touristenattraktionen sind verwaist, viele Restaurants schliessen, und selbst die Einheimischen verlassen tagsüber kaum ihre Haeuser. Nur die Kleopatra-Quelle und andere Badestellen bieten Abkuehlung. Wenn Sie Hitze lieben und mit Einschraenkungen leben koennen, finden Sie paradoxerweise in dieser Zeit das authentischste Siwa, aber ich rate davon ab.
Praktische Hinweise
Ramadan: Waehrend des islamischen Fastenmonats (Datum wechselt jaehrlich) sind viele Restaurants tagsüber geschlossen. Abends nach Sonnenuntergang oeffnen sie, und die Atmosphaere ist festlich. Als Nicht-Muslim muessen Sie nicht fasten, aber oeffentliches Essen und Trinken tagsüber ist unhöflich.
Sandstuerme: Im Fruehjahr (Maerz/April) koennen Sandstuerme (Khamsin) auftreten. Sie dauern meist nur einige Stunden, aber in dieser Zeit bleibt man besser drinnen. Hotels und Lodges sind darauf vorbereitet.
Kleidung: Auch in der kuehlen Jahreszeit: Sonnenschutz ist Pflicht. Ein Hut, Sonnenbrille und Sonnencreme (mindestens LSF 30) sind unverzichtbar. Abends in den Wintermonaten brauchen Sie eine Jacke oder einen dicken Pullover.
Siwa Reiseroute: 2 bis 5 Tage
Siwa verdient Zeit. Die Anreise allein dauert einen halben bis ganzen Tag, und die Oase entfaltet ihren Zauber erst, wenn Sie zur Ruhe kommen. Hier sind realistische Routen fuer verschiedene Zeitbudgets.
Kurztrip: 2 Tage (Minimum)
Zwei Tage sind das absolute Minimum und nur fuer diejenigen empfehlenswert, die unbedingt Siwa sehen wollen, aber wenig Zeit haben. Sie verpassen viel, aber die Highlights sind machbar.
Tag 1: Ankunft am Morgen (Nachtbus von Kairo oder fruehe Abfahrt aus Alexandria). Check-in im Hotel, kurze Erholung. Nachmittags Spaziergang durch das Zentrum und Besuch der Festung Shali. Die Ruinen sind bei Sonnenuntergang am schoensten, wenn das Lehm-Material golden leuchtet. Anschliessend Bad in der Kleopatra-Quelle, die auch abends geoeffnet ist. Abendessen im Zentrum.
Tag 2: Fruehmorgens (6-7 Uhr) Besuch des Orakeltempels, bevor die Hitze und die Touristengruppen kommen. Alexander der Grosse kam hierher, um das Orakel zu befragen, ob er wirklich der Sohn des Zeus sei. Die Aussicht von der Anhoehe ist spektakulaer. Danach kurzer Abstecher zum Tempel von Umm Ubayd direkt nebenan. Mittags leichte Mahlzeit und Check-out. Falls Zeit bleibt, schneller Besuch des Siwa-Hausmuseums fuer einen Einblick in die lokale Kultur. Nachmittags Rueckfahrt.
Ideale Dauer: 3-4 Tage
Mit drei bis vier Tagen koennen Sie Siwa wirklich erleben, ohne zu hetzen. Die Oase belohnt Langsamkeit.
Tag 1: Ankunft und Ankommen. Check-in, Mittagsschlaf (Sie werden ihn brauchen nach der langen Fahrt). Nachmittags gemaechlicher Spaziergang durch das Zentrum. Erkunden Sie den Markt, kaufen Sie frische Datteln (Siwa ist beruehmt dafuer), und gewoehnen Sie sich an das langsame Tempo. Abends Sonnenuntergang auf der Fatnas-Insel, das Ritual fuer jeden Siwa-Besucher. Ein Cafe dort serviert Tee und einfache Gerichte. Zurueck ins Hotel, frueh schlafen.
Tag 2: Kultureller Tag. Morgens Orakeltempel und Tempel von Umm Ubayd. Beide liegen auf dem Huegel Aghurmi und sind in 2-3 Stunden zu erkunden. Danach Gebel al-Mawta (Berg der Toten), ein Huegel mit Dutzenden antiken Graebern. Die Wandmalereien in einigen Graebern sind bemerkenswert gut erhalten. Eintritt etwa 4 Euro, Fuehrung empfehlenswert. Mittagspause mit Bad in der Kleopatra-Quelle. Nachmittags Siwa-Hausmuseum und Festung Shali. Abendessen in einem lokalen Restaurant.
Tag 3: Wuestentag. Ganztaegige Wuestensafari in die Grosse Sandwueste. Die Tour startet gegen 10 Uhr und fuehrt mit Allrad-Jeeps durch spektakulaere Duenenlandschaften. Hoehepunkte: Sandboarding auf riesigen Duenen, Mittagessen in einer abgelegenen Oase, Bad in der heissen Quelle Bir Wahed mitten in der Wueste. Die Quelle ist etwa 40 Grad warm und liegt umgeben von Palmen in einer surrealen Mondlandschaft. Sonnenuntergang in den Duenen, Rueckfahrt bei Nacht. Diese Tour kostet etwa 40-60 Euro pro Person (bei 4 Personen) inklusive Mittagessen und ist absolut lohnenswert.
Tag 4: Entspannungstag und Abreise. Vormittags Schwimmen in den Siwa-Salzseen. Das Wasser ist so salzig, dass Sie wie ein Korken treiben. Die tuerkise Farbe ist nicht digital bearbeitet, so sieht es wirklich aus. Danach ein letzter Bummel durch den Markt, Souvenirs kaufen (Silberschmuck, Dattelprodukte, handgewebte Stoffe), und Abreise am Nachmittag.
Ausfuehrlich: 5 Tage
Mit fuenf Tagen erleben Sie alles, was Siwa zu bieten hat, und haben Zeit fuer spontane Entdeckungen.
Tag 1-3: Wie oben beschrieben.
Tag 4: Aktiver Tag. Morgens Wanderung oder Fahrradtour zum Berg Dakrur suedlich der Oase. Der Aufstieg dauert etwa 45 Minuten und bietet Panoramablick ueber die gesamte Oase. Der Berg ist auch fuer seine Sandbaeder bekannt, eine traditionelle Therapie, bei der man sich im heissen Sand eingraben laesst. Angeblich hilft es gegen Rheuma und Gelenkschmerzen. Nachmittags Besuch einer Olivenoel-Fabrik oder einer Dattelplantage, viele Hotels organisieren das. Abends zweiter Sonnenuntergang auf Fatnas oder Besuch eines anderen Aussichtspunkts.
Tag 5: Uebernachtung in der Wueste. Fuer das unvergessliche Erlebnis schlafen Sie eine Nacht unter freiem Himmel bei Siwa Sternenbeobachtung und Camping. Die Camps biegen traditionelle Teppiche und Decken, Abendessen am Lagerfeuer, und einen Sternenhimmel, wie Sie ihn noch nie gesehen haben. Die Milchstrasse ist so deutlich, dass sie wie eine Wolke aussieht. Am naechsten Morgen Fruehstueck in der Wueste und Rueckfahrt nach Siwa, dann Abreise.
Alternative Aktivitaeten
Je nach Interessen koennen Sie folgende Aktivitaeten einplanen:
- Vogelbeobachtung: Die Oase ist ein wichtiger Rastplatz fuer Zugvoegel. Beste Zeit: Maerz/April und September/Oktober.
- Fotografietouren: Einige Guides bieten spezielle Touren zu den fotogensten Orten an, inklusive fruehe Morgenstunden und Sonnenuntergang.
- Kochen lernen: Mehrere Ecolodges bieten Kochkurse in traditioneller Siwa-Kueche an.
- Handwerksworkshops: Silberschmiedekunst oder Korbflechten mit lokalen Kuenstlern.
Wo essen in Siwa: Restaurants und Cafes
Die Restaurant-Szene in Siwa ist ueberschaubar, aber das Essen ist ehrlich und oft ueberraschend gut. Erwarten Sie keine Gourmetkueche, sondern herzhafte, lokale Gerichte zu fairen Preisen.
Restaurants im Zentrum
Abdu Restaurant: Das bekannteste Restaurant in Siwa, direkt am Marktplatz. Die Einrichtung ist einfach, Plastikstühle und Neonlicht, aber das Essen ist ausgezeichnet. Spezialisiert auf gegrilltes Fleisch und Huhn, dazu Reis, Salat und frisches Fladenbrot. Eine vollstaendige Mahlzeit kostet etwa 5-8 Euro. Der Besitzer Abdu ist eine lokale Beruehmtheit und spricht etwas Englisch. Oeffnungszeiten: etwa 11 bis 23 Uhr.
Kenooz Siwa: Etwas gehobener als Abdu, mit Sitzbereich auf der Dachterrasse. Die Karte ist umfangreicher und bietet neben aegyptischen Klassikern auch einige internationale Gerichte (Pasta, Sandwiches). Der Sonnenuntergang von der Terrasse mit Blick auf die Shali-Ruinen ist wunderschoen. Hauptgerichte etwa 6-10 Euro.
Nour El Waha: Beliebtes Familienrestaurant etwas abseits des Zentrums. Beruehmt fuer seine Tagine (geschmortes Fleisch mit Gemuese im Tontopf) und den freundlichen Service. Keine Speisekarte, der Besitzer erklaert, was heute gekocht wurde. Etwa 5-7 Euro pro Person. Nur Abendessen, oeffnet gegen 18 Uhr.
Tanta Waa: Kleines Lokal fuer schnelle Mahlzeiten. Foul (Bohnenbrei), Falafel, Shawarma und andere aegyptische Streetfood-Klassiker. Perfekt fuer ein schnelles Mittagessen oder einen Snack. Etwa 2-4 Euro.
Cafes und Teehaeuser
Fatnas Island Cafe: Das legendaere Cafe auf der Fatnas-Insel. Einfache Strohmatten unter Palmen, Blick auf den See, und der beste Sonnenuntergang der Oase. Die Karte beschraenkt sich auf Tee, Kaffee, Saefte und einfache Snacks. Kommen Sie mindestens eine Stunde vor Sonnenuntergang, um einen guten Platz zu bekommen. Ein Tee kostet etwa 1 Euro.
Cleopatra Cafe: Direkt an der Kleopatra-Quelle gelegen. Nach dem Bad koennen Sie hier entspannen und frisch gepresste Saefte trinken. Mango und Guave sind empfehlenswert. Etwa 2-3 Euro pro Getraenk.
Al-Babenshal: Traditionelles Teehaus im Herzen des Zentrums. Hier treffen sich die einheimischen Maenner zum Kartenspiel und Teetrinken. Als Tourist werden Sie freundlich aufgenommen, aber respektieren Sie, dass dies ein lokaler Treffpunkt ist. Nur Tee und Shisha.
Essen in Hotels und Ecolodges
Die meisten gehobeneren Unterkuenfte haben eigene Restaurants, die auch fuer externe Gaeste offen sind. Reservierung ist oft noetig.
Shali Lodge Restaurant: Eines der besten Restaurants der Oase. Die Kueche kombiniert lokale Zutaten mit gehobenerer Zubereitung. Probieren Sie das Lamm-Tagine oder den frischen Fisch aus dem See. Hauptgerichte etwa 10-15 Euro. Stimmungsvolles Ambiente im Innenhof.
Taziry Ecolodge: Vegetarische Bio-Kueche aus eigenem Garten. Das Menue wechselt taeglich je nach Ernte. Fuer externe Gaeste etwa 15-20 Euro fuer ein vollstaendiges Abendessen. Reservierung einen Tag im Voraus noetig.
Adrasi Hotel Dachterrasse: Einfache, aber authentische Mahlzeiten mit Blick auf die Ruinen. Huhn, Reis, Salat und Brot fuer etwa 6-8 Euro. Auch fuer Nicht-Gaeste zugaenglich.
Selbstversorgung
Fuer Selbstversorger gibt es mehrere kleine Lebensmittellaeden im Zentrum. Die Auswahl ist begrenzt, aber Basics wie Brot, Obst, Gemuese, Kaese und Konserven sind verfuegbar. Der Markt (taeglich ausser Freitag) bietet frische Produkte. Trinkwasser in Flaschen ist ueberall erhaeltlich, etwa 0,50 Euro fuer 1,5 Liter.
Was probieren: Siwa Kuche
Die Kueche von Siwa ist eine Mischung aus Berber-Traditionen und aegyptischen Einfluessen, gepraegt von den lokalen Zutaten: Datteln, Oliven, Lamm und das, was die Oase hergibt.
Lokale Spezialitaeten
Aish Siwa (Siwa-Brot): Rundes, flaches Brot, gebacken in traditionellen Lehmoefen. Wird zu jeder Mahlzeit gereicht und zum Aufnehmen von Saucen verwendet. Frisch aus dem Ofen ist es koestlich, abgekuehlt eher zaeh. In den meisten Restaurants wird es morgens frisch gebacken.
Tabriza: Das Nationalgericht von Siwa. Geschmortes Lamm- oder Ziegenfleisch mit Zwiebeln, Tomaten und einer Gewuerzmischung, die typisch fuer die Oase ist. Wird mit Reis oder Brot serviert. Die Zubereitung dauert Stunden, das Ergebnis ist butterzartes Fleisch mit komplexen Aromen. Etwa 8-12 Euro in Restaurants.
Fatta: Ein Schichtgericht aus getrocknetem Brot, Reis, Fleisch und einer Tomaten- oder Essig-Knoblauch-Sauce. Traditionell zu festlichen Anlaessen, aber in einigen Restaurants auch als Tagesgericht erhaeltlich.
Siwa-Oliven: Die Oliven aus Siwa sind kleiner und intensiver im Geschmack als die aus dem Mittelmeerraum. Sie werden in Salz eingelegt und zu jeder Mahlzeit gereicht. Das Olivenoel aus Siwa ist ebenfalls beruehmt und ein beliebtes Souvenir.
Datteln und Suessigkeiten
Siwa ist einer der wichtigsten Dattel-Produzenten Aegyptens. Die Ernte ist im Oktober, aber getrocknete Datteln sind das ganze Jahr ueber verfuegbar.
Tamr (getrocknete Datteln): Die Hauptsorte heisst Siwi und ist suess, weich und karamellartig. Auf dem Markt kosten sie etwa 3-5 Euro pro Kilogramm.
Dattelsirup (Rub): Dickfluessiger Sirup aus eingekochten Datteln. Wird zum Suessen von Tee verwendet oder als Brotaufstrich. Ein Glas (etwa 500ml) kostet 2-3 Euro.
Dattelkekse: Selbstgemachte Kekse mit Dattelfuellung, erhaeltlich auf dem Markt und in einigen Cafes.
Getraenke
Karkade: Hibiskustee, heiss oder kalt. Erfrischend sauer-suess und reich an Vitamin C. Wird oft mit viel Zucker serviert, bitten Sie um weniger, wenn Sie es nicht so suess moegen.
Shai bi-nana: Minztee, das Nationalgetraenk Aegyptens. In Siwa wird oft frische Minze aus den Gaerten verwendet.
Frisch gepresste Saefte: Mango, Guave, Orange, Zuckerrohr. In den Cafes fuer etwa 1-2 Euro.
Alkohol: Siwa ist konservativ, und Alkohol ist nicht oeffentlich erhaeltlich. Einige Hotels haben eine Lizenz und schenken diskret aus. Oeffenliches Trinken ist respektlos und illegal.
Was Sie vermeiden sollten
Rohe Salate in einfachen Restaurants koennen problematisch sein, Leitungswasser wird zur Reinigung verwendet. In gehobeneren Unterkuenften ist dies kein Problem. Rohe Meeresfrüchte gibt es in der Wueste nicht, und das ist gut so. Fleisch ist in der Regel frisch und unbedenklich.
Siwa Geheimnisse: Lokale Tipps
Nach mehreren Besuchen in Siwa habe ich einige Dinge gelernt, die in keinem Reisefuehrer stehen.
Die richtige Einstellung
Siwa funktioniert nicht nach westlichem Zeitplan. Busse fahren, wenn sie voll sind, nicht wenn der Fahrplan es sagt. Restaurants oeffnen, wenn der Koch bereit ist. Touren starten mit aegyptischer Puenktlichkeit, also etwa 30 Minuten spaeter. Akzeptieren Sie das, und Sie werden eine viel bessere Zeit haben.
Geld und Zahlungsmittel
Es gibt nur einen Geldautomaten in Siwa (Banque Misr am Marktplatz), und er ist regelmaessig leer oder ausser Betrieb. Bringen Sie genuegend Bargeld aus Kairo oder Alexandria mit. Die meisten Unterkuenfte akzeptieren keine Kreditkarten. Rechnen Sie mit etwa 40-80 Euro pro Tag, je nach Komfortlevel.
Fotografieren
Fotografieren Sie keine Menschen ohne Erlaubnis, besonders keine Frauen. Viele Einheimische, besonders Aeltere, moegen es nicht. Landschaften und Gebaeude sind kein Problem. Fuer die Salzseen und die Wueste gilt: Die beste Lichtzeit ist die Stunde nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang.
Kleidung und Verhalten
Siwa ist konservativer als der Rest Aegyptens. Frauen sollten Schultern und Knie bedecken, auch wenn es heiss ist. Maenner sollten keine kurzen Hosen tragen. Oeffentliche Zuneigung zwischen Paaren ist unangebracht. In den Quellen baden Frauen bekleidet oder zu separaten Zeiten.
Geheime Orte
Die verborgenen Quellen: Neben der touristischen Kleopatra-Quelle gibt es Dutzende kleiner Quellen in den Palmengaerten. Fragen Sie Ihren Gastgeber nach ruhigeren Alternativen. Manche sind nur den Einheimischen bekannt und wunderschoen.
Der Dattelmarkt: Zur Erntezeit (Oktober/November) findet ein spezieller Markt statt, wo Bauern aus der ganzen Oase ihre Ernte verkaufen. Preise sind verhandelbar und weit unter dem Touristenpreis.
Sonnenaufgang am Orakeltempel: Die meisten Touristen kommen zum Orakeltempel nachmittags. Seien Sie bei Sonnenaufgang dort, und Sie haben den Ort fuer sich allein.
Gesundheit und Sicherheit
Das Wasser aus den Quellen ist nicht trinkbar, auch wenn es kristallklar aussieht. Bleiben Sie bei Flaschenwasser. Die Sonne ist brutal, auch wenn es sich nicht so anfuehlt, Sonnenbrand ist ein haeufiges Problem bei Besuchern. Apotheken gibt es, aber die Auswahl ist begrenzt. Bringen Sie Ihre eigenen Medikamente mit.
Siwa ist extrem sicher. Kriminalitaet ist praktisch unbekannt. Das groesste Risiko sind Verkehrsunfaelle, Autos, Eselkarren und Fussgaenger teilen sich die Strassen ohne klare Regeln.
Internet und Kommunikation
Wi-Fi gibt es in den meisten Hotels, aber erwarten Sie keine Hochgeschwindigkeit. Mobilfunkempfang (Vodafone und Orange haben die beste Abdeckung) ist im Zentrum akzeptabel, in der Wueste nicht vorhanden. Nutzen Sie die Gelegenheit zur digitalen Entgiftung.
Transport und Verbindung
Die Anreise nach Siwa ist Teil des Abenteuers. Es gibt keinen einfachen Weg hierher, und genau das macht den Ort so besonders.
Von Europa nach Aegypten
Direktfluege von Frankfurt, Muenchen, Zuerich und Wien nach Kairo gibt es mehrmals taeglich. Lufthansa, Egyptair und Swiss bieten regelmaessige Verbindungen an. Die Flugzeit betraegt etwa 4 Stunden. Alternativ nach Alexandria (weniger Verbindungen, aber naeher an Siwa) oder Marsa Matruh an der Mittelmeerkueste (kleiner Flughafen mit saisonalen Fluegen).
Von Kairo nach Siwa
Bus (empfohlen): West and Mid Delta Bus Company faehrt taeglich von Kairo (Turgoman-Busbahnhof) nach Siwa. Die Fahrt dauert etwa 8-10 Stunden und kostet 10-15 Euro. Der Bus faehrt um 7:30 Uhr und 22:30 Uhr. Der Nachtbus ist beliebter, Sie sparen eine Uebernachtung und kommen morgens an. Klimatisiert, aber bringen Sie eine Decke mit, die Klimaanlage ist oft zu kalt. Reservierung einen Tag im Voraus empfohlen, in der Hochsaison mehrere Tage.
Privater Transfer: Fuer mehr Komfort koennen Sie einen privaten Fahrer buchen. Preis etwa 150-200 Euro fuer das ganze Auto (bis 4 Personen). Die Fahrt ist angenehmer und Sie koennen unterwegs anhalten. Hotels in Kairo koennen das organisieren.
Von Alexandria nach Siwa
Kuerzer und oft die bessere Option. West and Mid Delta Bus faehrt mehrmals taeglich, Fahrtzeit etwa 6-7 Stunden, Preis 8-12 Euro. Abfahrt von Moharem Bey Busbahnhof. Auch hier Nachtbus verfuegbar.
Von Marsa Matruh nach Siwa
Die kuerzeste Strecke (etwa 4 Stunden), aber Marsa Matruh ist schwerer zu erreichen. Im Sommer gibt es Charterfluege aus Europa direkt nach Marsa Matruh (hauptsaechlich fuer Strandtouristen). Von dort fahren lokale Minibusse nach Siwa, wenn sie voll sind. Preis etwa 5-8 Euro.
Innerhalb von Siwa
Zu Fuss: Das Zentrum ist kompakt und zu Fuss erkundbar. Von einem Ende zum anderen sind es etwa 20 Minuten.
Fahrrad: Das beste Fortbewegungsmittel in Siwa. Alle Hotels vermieten Fahrraeder fuer etwa 3-5 Euro pro Tag. Die Strassen sind flach und der Verkehr minimal.
Eselkarren (Karetta): Das traditionelle Transportmittel. Eine Fahrt innerhalb der Oase kostet etwa 2-3 Euro. Langsam, aber atmosphaerisch.
Motorrad/Quad: Verfuegbar zur Miete, aber nur mit aegyptischem Fuehrerschein legal. In der Praxis wird selten kontrolliert. Etwa 15-25 Euro pro Tag.
Pick-up/4x4: Fuer Ausfluege in die Wueste unumgaenglich. Die meisten Hotels organisieren Touren mit erfahrenen Fahrern. Preis fuer einen Tagesausflug etwa 80-120 Euro fuer das ganze Auto.
Wichtige Hinweise
Buchen Sie Ihre Rueckfahrt im Voraus, besonders in der Hochsaison. Die Busse sind oft ausverkauft. Im Zweifelsfall kann Ihr Hotel helfen.
Die Strasse nach Siwa ist gut ausgebaut, aber monoton. Bringen Sie Unterhaltung fuer die Fahrt mit. Die letzten 100 Kilometer fuehren durch fast menschenleere Wueste.
Halten Sie Ihren Reisepass bereit. Es gibt mehrere Checkpoints auf dem Weg, an denen Polizei Papiere kontrolliert. Das ist Routine und kein Grund zur Sorge.
Fur wen ist Siwa: Fazit
Siwa ist nicht fuer jeden. Wenn Sie Komfort, Nachtleben, oder eine grosse Auswahl an Restaurants und Aktivitaeten suchen, werden Sie enttaeuscht sein. Wenn Sie nicht bereit sind, 8 Stunden im Bus zu sitzen, ist Siwa nichts fuer Sie.
Aber wenn Sie Ruhe suchen, echte Abgeschiedenheit, eine Kultur, die noch nicht vom Massentourismus gepraegt ist, dann gibt es wenige Orte auf der Welt, die mit Siwa mithalten koennen. Die Kombination aus antiker Geschichte (Orakeltempel, Berg der Toten), spektakulaerer Natur (Grosse Sandwueste, Salzseen), und authentischer Berberkultur ist einzigartig.
Siwa ist fuer Abenteurer, die das Ungewoehnliche suchen. Fuer Fotografen, die einzigartige Landschaften einfangen wollen. Fuer Paare, die Romantik abseits der ausgetretenen Pfade suchen. Fuer Alleinreisende, die Zeit zum Nachdenken brauchen. Und fuer alle, die einmal verstehen wollen, wie sich die Wueste wirklich anfuehlt: still, weit und unendlich schoen.
Kommen Sie mit Zeit, Geduld und offenem Herzen. Siwa belohnt diejenigen, die bereit sind, sich auf das Tempo der Oase einzulassen.