Messina
Messina — Siziliens Tor an der Meerenge
Messina ist die drittgrößte Stadt Siziliens und das wichtigste Tor zur Insel, gelegen an der schmalen Meerenge, die Sizilien vom italienischen Festland trennt. Eine Stadt mit uralter Geschichte, die verheerende Erdbeben und Bombardierungen des Zweiten Weltkriegs überlebt hat, präsentiert sich heute als moderne Hafenstadt mit einer einzigartigen astronomischen Kathedrale und atemberaubenden Ausblicken auf Kalabrien und die Straße von Messina.
Geschichte — Von den Griechen zur Wiedergeburt
Messina wurde im 8. Jahrhundert v. Chr. von griechischen Kolonisten aus Chalkis unter dem Namen Zankle gegründet (vom sikulischen Wort für „Sichel" — die Form des natürlichen Hafens beschreibend). Im 5. Jahrhundert v. Chr. wurde die Stadt von Siedlern aus dem griechischen Messenien in Messana umbenannt.
Ihre strategische Lage an der Meerenge machte Messina zur begehrten Beute für Eroberer: Karthager, Römer, Byzantiner, Araber, Normannen — alle herrschten über die Stadt. Unter den Normannen (11.-12. Jahrhundert) wurde Messina zu einem der wichtigsten Mittelmeerhäfen, einem Abfahrtspunkt für Kreuzfahrer.
Die Stadt litt wiederholt unter Katastrophen. Die Pest von 1743 tötete die Hälfte der Bevölkerung. Aber die größte Prüfung war das Erdbeben vom 28. Dezember 1908 — eines der zerstörerischsten in der europäischen Geschichte. In 37 Sekunden kamen mehr als 80.000 Menschen ums Leben, und die Stadt wurde praktisch ausgelöscht. Der folgende Tsunami vollendete die Zerstörung.
Das wiederaufgebaute Messina litt 1943 erneut unter alliierten Bombardierungen. Das moderne Erscheinungsbild der Stadt ist das Ergebnis des Wiederaufbaus nach dem Krieg, der funktionale Architektur mit restaurierten historischen Denkmälern verbindet.
Kathedrale und astronomische Uhr
Der Duomo di Messina ist die Hauptattraktion der Stadt, eine normannische Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert, die durch das Erdbeben von 1908 und die Bombardierungen von 1943 zerstört, aber sorgfältig restauriert wurde. Die Fassade kombiniert romanische, gotische und Renaissance-Elemente.
Glockenturm mit astronomischer Uhr
Der Campanile ist ein 60 Meter hoher Glockenturm mit der größten astronomischen Uhr der Welt, 1933 von der Straßburger Firma Ungerer geschaffen. Jeden Tag um Mittag erwacht der Mechanismus zum Leben: Figuren eines Löwen, Hahns, Engel und biblischer Gestalten führen eine kunstvolle Show zum Klang der Glocken auf. Tausende von Touristen versammeln sich auf dem Platz, um dieses 15-minütige Spektakel zu erleben.
Innenraum der Kathedrale
Im Inneren der Kathedrale befinden sich Mosaike im byzantinischen Stil (restauriert), eine Holzdecke und Werke von Antonello Gagini und anderen sizilianischen Meistern. Die Schatzkammer beherbergt die goldene Manta — eine kostbare Hülle für die Statue der Madonna della Lettera, der Schutzpatronin Messinas.
Orion-Brunnen
Die Fontana di Orione ist ein Meisterwerk der Renaissance von Giovanni Angelo Montorsoli (1547), einem Schüler Michelangelos. Der Brunnen zeigt den mythologischen Jäger Orion, legendärer Gründer Messinas, umgeben von Flussgöttern und Meeresgeschöpfen.
Historische Sehenswürdigkeiten
Kirche Annunziata dei Catalani
Die Chiesa della Santissima Annunziata dei Catalani ist ein seltenes Beispiel arabisch-normannischer Architektur aus dem 12. Jahrhundert, das das Erdbeben von 1908 auf wundersame Weise überlebte. Die Kirche steht unter dem modernen Straßenniveau und vermittelt einen Eindruck davon, wie das mittelalterliche Messina aussah. Eine interessante Mischung aus normannischen, byzantinischen und arabischen Elementen.
Regionalmuseum
Das Museo Regionale di Messina beherbergt eine der wichtigsten Kunstsammlungen Siziliens. Die Hauptmeisterwerke: „Auferweckung des Lazarus" und „Anbetung der Hirten" von Caravaggio (1609 in Messina geschaffen), sowie Werke von Antonello da Messina — Siziliens größtem Maler des 15. Jahrhunderts.
Heiligtum Madonna di Montalto
Das Santuario della Madonna di Montalto ist eine Kirche auf einem Hügel über der Stadt mit dem besten Panorama von Messina, der Meerenge und Kalabrien. Hier erschien der Legende nach die Jungfrau Maria den Einwohnern während der Belagerung der Stadt 1282.
Fort San Salvatore
Das Forte San Salvatore ist eine spanische Festung aus dem 16. Jahrhundert auf einer Landzunge am Hafeneingang. Auf seinem Gipfel steht eine Säule mit einer Statue der Madonna della Lettera (60 m), die Schiffe segnet. Die Inschrift „Vos et ipsam civitatem benedicimus" („Wir segnen euch und eure Stadt") ist die legendäre Botschaft der Jungfrau Maria an die Bewohner Messinas.
Straße von Messina
Die Stretto di Messina ist eine schmale Meerenge (3-16 km), die Sizilien von Kalabrien trennt. Dies ist der Ort der antiken Mythen über Skylla und Charybdis — Monster, die Odysseus' Schiffe bedrohten.
Fährverbindung
Fähren von Caronte & Tourist, Blu Jet und anderen verkehren rund um die Uhr zwischen Messina und Villa San Giovanni (20 Minuten) oder Reggio di Calabria (35 Minuten). Dies ist die Hauptroute für Autos und Züge nach Sizilien. Die Überfahrt selbst ist ein Abenteuer mit Blick auf beide Ufer.
Brückenprojekt
Seit Jahrzehnten wird der Bau einer Brücke über die Meerenge diskutiert — sie wäre die längste Hängebrücke der Welt (3,3 km). Das Projekt wird aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen periodisch wiederbelebt und eingefroren.
Gastronomie
Messinas Küche spiegelt seine maritime Lage und den kalabrischen Einfluss wider.
Schwertfisch
Pesce spada ist das Symbol der Küche Messinas. Hier wird er auf Dutzende Arten zubereitet: gegrillt, Involtini (Röllchen), Carpaccio, mit Kapern und Oliven (Ghiotta). Die traditionelle Schwertfischjagd auf Felucca-Booten ist ein sehenswertes Schauspiel.
Andere Gerichte
Pasta 'ncasciata — gebackene Pasta mit Fleischragout, Aubergine und Käse. Focaccia messinese — Fladenbrot mit Tomaten, Sardellen, Käse und Gemüse. Granita mit Brioche — das obligatorische sizilianische Frühstück. Pignolata — traditionelles Dessert aus Teigkügelchen mit Glasur.
Umgebung von Messina
Tindari
70 km von Messina entfernt liegt die antike griechische Stadt Tyndaris mit einem Theater aus dem 4. Jahrhundert v. Chr. und dem Heiligtum der Schwarzen Madonna. In der Nähe befinden sich die malerischen Marinello-Seen, die durch Sandbänke entstanden sind.
Äolische Inseln
Von Messina (Hafen Milazzo, 40 km) fahren Fähren und Tragflügelboote zu den Äolischen Inseln — einem vulkanischen UNESCO-Archipel: Lipari, Vulcano, Stromboli, Salina und andere.
Taormina
Die Perle des sizilianischen Tourismus liegt nur 50 km südlich von Messina. Griechisches Theater, mittelalterliche Gassen, Blick auf den Ätna.
Praktische Informationen
Anreise
Flughafen Reggio di Calabria auf dem Festland (25 km + Fähre) oder Flughafen Catania (100 km). Die meisten Reisenden kommen mit der Fähre von Villa San Giovanni oder mit dem Zug (Eisenbahnwaggons werden auf Fähren transportiert). Busse verbinden Messina mit Palermo (3 Stunden), Catania (1,5 Stunden), Taormina (1 Stunde).
Fortbewegung
Das historische Zentrum ist kompakt und gut zu Fuß zu erkunden. Die Straßenbahn verbindet das Zentrum mit den Außenbezirken und dem Fährterminal. Ein Mietwagen ist praktisch für Ausflüge in die Umgebung.
Beste Reisezeit
Die beste Zeit ist Frühling und Herbst. Der Sommer ist heiß, aber die Meeresbrise mildert die Hitze. Der Winter ist mild mit seltenen Regenfällen. Am 15. August findet das Mariä-Himmelfahrt-Fest mit der großen Vara-Prozession statt.
Aufenthaltsdauer
Ein Tag reicht aus, um die Stadt zu besichtigen. Messina dient oft als Durchgangsort auf dem Weg zu anderen sizilianischen Städten oder den Äolischen Inseln.
Verwandte Reiseziele
- Taormina — 1 Stunde, Perle Siziliens mit griechischem Theater
- Catania — 1,5 Stunden, Stadt am Fuß des Ätna
- Äolische Inseln — Fähre von Milazzo, vulkanischer Archipel
- Palermo — 3 Stunden, Hauptstadt Siziliens
- Reggio Calabria — Fähre 35 Minuten, Bronzen von Riace
- Syrakus — 2,5 Stunden, Stadt des Archimedes