Reykjavík
Reykjavik 2026: Was Sie wissen muessen
Reykjavik ist keine Stadt, die man auf Anhieb versteht. Mit knapp 140.000 Einwohnern ist sie die noerdlichste Hauptstadt der Welt und gleichzeitig das kulturelle, wirtschaftliche und politische Zentrum Islands. Wer hierher kommt, erwartet oft dramatische Landschaften und Naturwunder — und bekommt sie auch. Aber die Stadt selbst ueberrascht mit einer Lebendigkeit, die man in dieser Abgeschiedenheit nicht vermuten wuerde.
Was Sie 2026 wissen muessen: Die Touristenzahlen haben sich nach der Pandemie stabilisiert, aber Reykjavik ist kein Geheimtipp mehr. Die Hauptsaison von Juni bis August ist voll, die Preise entsprechend. Mein ehrlicher Rat: Kommen Sie in der Nebensaison. September oder Mai bieten laengere Tage, weniger Menschen und oft bessere Nordlicht-Chancen.
Die Stadt ist kompakt und fussgaengerfreundlich. Das historische Zentrum rund um die Hallgrimskirkja-Kirche laesst sich an einem Tag erkunden. Aber unterschaetzen Sie nicht die Entfernungen zu den Naturattraktionen — die Blaue Lagune liegt 50 Kilometer entfernt, der Golden Circle noch weiter. Ohne Mietwagen oder organisierte Touren wird es schwierig.
Budgettechnisch sollten Sie realistisch sein: Island gehoert zu den teuersten Laendern Europas. Ein einfaches Mittagessen kostet 25-35 Euro, ein Bier in einer Bar 10-12 Euro. Planen Sie mindestens 150-200 Euro pro Tag fuer moderate Ausgaben ein, ohne Unterkunft.
Stadtviertel: Wo uebernachten
Die Wahl des richtigen Viertels macht in Reykjavik einen echten Unterschied. Die Stadt ist zwar klein, aber jedes Quartier hat seinen eigenen Charakter. Hier meine ehrliche Einschaetzung nach mehreren laengeren Aufenthalten.
101 Reykjavik — Das historische Zentrum
Die Postleitzahl 101 ist das Herz der Stadt. Hier finden Sie die Laugavegur, die Haupteinkaufsstrasse, unzaehlige Cafes, Restaurants und das pulsierende Nachtleben. Die Hallgrimskirkja-Kirche thront ueber allem und bietet vom Turm den besten Ueberblick.
Vorteile: Alles zu Fuss erreichbar, lebhafte Atmosphaere, beste Restaurantauswahl. Das Konzerthaus Harpa am Hafen ist nur zehn Minuten entfernt.
Nachteile: Die hoechsten Preise der Stadt, nachts kann es laut werden (besonders Freitag und Samstag), Parkplaetze sind rar und teuer.
Fuer wen geeignet: Erstbesucher, die das volle Stadterlebnis wollen. Paare, die abends ausgehen moechten. Reisende ohne Auto.
Preisrahmen: Hotels ab 180-250 Euro pro Nacht, Apartments ab 150 Euro. In der Hochsaison 30-50 Prozent mehr.
Vesturbær — Der gemuetliche Westen
Westlich des Zentrums liegt Vesturbær, ein ruhigeres Wohnviertel mit bunten Holzhaeusern und Meerblick. Hier wohnen viele Einheimische, die Atmosphaere ist entspannter als in 101.
Vorteile: Authentischer, guenstigere Unterkuenfte, gute Cafes und lokale Baeckereien. Der alte Hafen mit seinen Fischrestaurants ist nah. Die Sun Voyager Skulptur steht direkt an der Kueste.
Nachteile: Abends weniger los, 15-20 Minuten zu Fuss ins Zentrum.
Fuer wen geeignet: Ruhesuchende, Familien, laengere Aufenthalte. Wer morgens am Meer joggen will.
Preisrahmen: Hotels ab 140-180 Euro, Apartments ab 120 Euro.
Hlíðar und Háaleiti — Die Wohnviertel im Osten
Diese Viertel sind nicht touristisch, und genau das ist ihr Reiz. Hier kaufen Einheimische in normalen Supermaerkten ein, und Sie bekommen ein Gefuehl fuer den islaendischen Alltag. Das Perlan-Museum mit seiner beeindruckenden Glaskuppel liegt in dieser Gegend.
Vorteile: Deutlich guenstiger, Parkplaetze vorhanden, authentische Nachbarschaftsatmosphaere. Gute Busverbindungen ins Zentrum.
Nachteile: Wenig Restaurants und Bars in Gehweite, Sie brauchen Bus oder Auto fuer Abendaktivitaeten.
Fuer wen geeignet: Budgetreisende, Familien mit Auto, alle, die Island erkunden und Reykjavik nur als Basis nutzen.
Preisrahmen: Hotels ab 100-140 Euro, Apartments ab 80 Euro.
Grandi — Das aufstrebende Hafenviertel
Das ehemalige Industriegebiet am alten Hafen hat sich in den letzten Jahren gewandelt. Hier finden Sie jetzt hippe Cafes, Brauereien, Kunstgalerien und den Mathöll Food Court. Von hier starten auch die Boote zur Walbeobachtung in der Faxafloi-Bucht.
Vorteile: Industrieller Charme, gute Essensszene, weniger ueberlaufen als 101. Fusswege am Wasser.
Nachteile: Begrenzte Unterkunftsoptionen, abends eher ruhig.
Fuer wen geeignet: Designliebhaber, Foodies, Kreative.
Preisrahmen: Wenige Hotels, hauptsaechlich Boutique-Unterkuenfte ab 200 Euro.
Meine Empfehlung
Fuer den ersten Besuch wuerde ich 101 oder Vesturbær empfehlen. Wenn Sie mit dem Auto kommen und hauptsaechlich die Natur erkunden wollen, sind die oestlichen Wohnviertel die klueegere Wahl. Buchen Sie in der Hochsaison mindestens zwei bis drei Monate im Voraus — beliebte Unterkuenfte sind schnell vergriffen.
Beste Reisezeit
Island hat kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung — diesen Spruch hoeren Sie hier oft. Er stimmt. Das Wetter ist unberechenbar, egal wann Sie kommen. Aber die Jahreszeiten bieten voellig unterschiedliche Erlebnisse.
Sommer (Juni bis August)
Die Mitternachtssonne ist ein Erlebnis, das man nicht vergisst. Ende Juni geht die Sonne praktisch nicht unter — ideal fuer Wanderungen und Erkundungstouren bis spaet in die Nacht. Temperaturen liegen bei 10-15 Grad, gelegentlich erreichen sie 20 Grad.
Der Haken: Alle anderen haben dieselbe Idee. Hotels sind teuer und oft ausgebucht, beliebte Sehenswuerdigkeiten ueberlaufen. Der Golden Circle fuehlt sich manchmal wie ein Disneyland an.
Direktfluege von Frankfurt, Muenchen, Zuerich und Wien sind taeglich verfuegbar. Icelandair und Lufthansa fliegen am haeufigsten, Eurowings und PLAY bieten guenstigere Alternativen.
Winter (November bis Februar)
Die Nordlichter sind der Hauptgrund, im Winter zu kommen. Die besten Chancen haben Sie von September bis Maerz, aber der tiefe Winter bietet die laengsten dunklen Naechte. Erwarten Sie nur vier bis fuenf Stunden Tageslicht im Dezember.
Temperaturen: Ueberraschend mild, meist zwischen minus 5 und plus 5 Grad. Der Golfstrom verhindert extreme Kaelte. Aber der Wind — der Wind ist brutal. Windchill kann minus 15 Grad fuehlen lassen.
Vorteile: Guenstigere Preise, weniger Touristen, magische Atmosphaere. Die Blaue Lagune im Schneetreiben ist unvergesslich.
Meine Empfehlung: Nebensaison
September und Mai sind der Sweet Spot. Noch akzeptables Tageslicht, Chance auf Nordlichter, moderate Preise, weniger Menschenmassen. Das Wetter ist unberechenbar, aber das ist es immer.
Packen Sie Schichten: wasserdichte Aussenschicht, warme Fleece-Mitte, Merinowolle direkt auf der Haut. Gute wasserdichte Schuhe sind wichtiger als alles andere. Islaendischer Regen kommt horizontal.
Reiserouten: 3 bis 7 Tage
Die richtige Reisedauer haengt davon ab, was Sie sehen wollen. Reykjavik allein rechtfertigt keinen langen Aufenthalt — aber als Basis fuer Tagesausfluege ist die Stadt ideal. Hier meine getesteten Routen.
3 Tage: Kompakter Staedte-Trip
Tag 1: Ankunft und Stadterkundung
Die meisten Fluege aus dem DACH-Raum landen am fruehen Morgen. Nutzen Sie den Jetlag: Checken Sie ein (fruehes Check-in vorher anfragen), dann direkt los. Beginnen Sie mit der Hallgrimskirkja-Kirche — der Aufzug zum Turm oeffnet um 9 Uhr. Von oben verstehen Sie die Stadtgeografie sofort.
Schlendern Sie die Laugavegur hinunter, fruehstuecken Sie im Cafe Loki (traditionelle islaendische Kueche, auch Trockenfisch zum Probieren). Nachmittags das Nationalmuseum von Island fuer den historischen Kontext. Abends erste Bar-Tour in der Skólavörðustígur.
Tag 2: Golden Circle
Der Klassiker, aber aus gutem Grund. Thingvellir Nationalpark (wo die tektonischen Platten auseinanderdriften), Geysir und der maechtige Gullfoss-Wasserfall. Mit organisierter Tour ab 80 Euro, Mietwagen flexibler aber teurer.
Frueh starten, spaetestens um 8 Uhr. Die Reisebusse kommen gegen 10 — davor haben Sie alles fast fuer sich. Zurueck in Reykjavik gegen 18 Uhr, Zeit fuer ein ordentliches Abendessen.
Tag 3: Harpa, Hafen und Abreise
Morgens das Konzerthaus Harpa besichtigen — die Architektur ist atemberaubend, besonders bei Sonnenlicht. Spaziergang am Hafen, vorbei an der Sun Voyager Skulptur. Das Rathaus Reykjavik hat eine grosse 3D-Karte von Island, perfekt fuer die naechste Reiseplanung.
Falls Ihr Flug spaet geht: Die Blaue Lagune liegt auf dem Weg zum Flughafen. Standard-Eintritt ab 70 Euro, vorab buchen zwingend notwendig.
5 Tage: Stadt plus Natur
Tage 1-3: Wie oben, aber entspannter. Fuegen Sie am Tag 1 das Perlan-Museum hinzu — die kuenstliche Eishoehle und das Planetarium sind beeindruckend.
Tag 4: Snaefellsnes-Halbinsel
Der kleine Bruder des gesamten Landes — Gletscher, schwarze Straende, dramatische Klippen, der ikonische Berg Kirkjufell. Langer Tag (12-14 Stunden), aber es lohnt sich. Organisierte Touren ab 150 Euro, mit Mietwagen flexibler.
Fruehstueck einpacken, Mittagessen in Arnarstapi (der Fish and Chips-Stand ist legendaer). Rueckkehr nach Reykjavik gegen 21-22 Uhr.
Tag 5: Entspannung und Kultur
Nach den intensiven Tagen: ein langsamer Morgen. Spaetes Fruehstueck im Grandi-Viertel, vielleicht der Mathöll Food Court. Nachmittags Walbeobachtung in der Faxafloi-Bucht — 3-stuendige Touren ab 85 Euro. Zwergwale und Delfine fast garantiert, Buckelwale mit Glueck.
Letzter Abend: Goennen Sie sich ein gutes Restaurant. Grillid oder Dill fuer gehobene islaendische Kueche, frueh reservieren.
7 Tage: Die komplette Erfahrung
Tage 1-5: Wie oben.
Tag 6: Südküste
Ein weiterer langer Tag, aber unverzichtbar. Seljalandsfoss (Sie koennen hinter dem Wasserfall gehen), Skógafoss (maechtiger und fotogener), das Flugzeugwrack am schwarzen Strand von Sólheimasandur (45 Minuten Fussweg), Reynisfjara (der beruehmte schwarze Strand mit Basaltsaeulen).
Warnung: Reynisfjara ist gefaehrlich. Sneaker Waves kommen ohne Vorwarnung — bleiben Sie weit vom Wasser entfernt. Jedes Jahr sterben Touristen hier.
Optional weiter bis Vik, dem suedlichsten Dorf. Rueckkehr nach Reykjavik spaet, etwa 22-23 Uhr.
Tag 7: Landmannalaugar oder Sky Lagoon
Zwei Optionen, je nach Energie:
Option A (abenteuerlich): Landmannalaugar, das bunte Rhyolithgebirge im Hochland. Nur mit Allrad erreichbar oder per organisierter Tour (ab 180 Euro). Heisse Quellen inmitten der Berge, unwirkliche Farben. Nur im Sommer moeglich.
Option B (entspannt): Die Sky Lagoon, eine neuere Alternative zur Blauen Lagune. Naeher an der Stadt, weniger ueberlaufen, mit Infinity-Pool und Meerblick. Ab 60 Euro. Perfekt fuer den letzten Tag vor dem Heimflug.
Wo essen: Restaurants
Essen in Island ist teuer — das muessen Sie akzeptieren. Aber die Qualitaet ist hoch, die Zutaten frisch, und die lokale Kueche ueberraschend vielfaeltig. Hier meine getesteten Empfehlungen fuer verschiedene Budgets.
Gehobene Kueche
Dill — Das einzige Michelin-Stern-Restaurant Islands. Sieben-Gaenge-Menue ab 200 Euro, nur mit Reservierung (Wochen im Voraus). Moderne islaendische Kueche auf hoechstem Niveau. Lohnt sich, wenn Sie kulinarische Erlebnisse schaetzen.
Grillid — Im 8. Stock des Saga Hotels, Panoramablick ueber die Stadt. Klassischer als Dill, aber ebenso hochwertig. Hauptgerichte 50-70 Euro. Sonntags-Brunch beliebt bei Einheimischen.
Nostra — Weniger formell, aber exzellent. Lokale Zutaten, kreative Zubereitung. Probieren Sie die Langoustine. Hauptgerichte 40-55 Euro.
Mittleres Budget
Saegreifinn (Sea Baron) — Am Hafen, rustikal und authentisch. Beruehmt fuer die Hummersuppe (ca. 20 Euro) und gegrillte Spiesse. Keine Reservierung, Warteschlange normal.
Messinn — Fisch in gusseisernen Pfannen serviert, reichliche Portionen. Islaendischer Kabeljau oder Arctic Char hervorragend. Hauptgerichte 25-35 Euro.
Snaps Bistro — Franzoesisch-islaendische Fusion, beliebt bei Einheimischen. Sonntagsbrunch ausgezeichnet. Reservierung am Wochenende empfohlen. Hauptgerichte 28-40 Euro.
Apotek Kitchen — Im historischen Apothekengebaeude, stilvolles Ambiente. Gute Cocktails, solide Kueche. Hauptgerichte 30-45 Euro.
Budget-Optionen
Baejarins Beztu Pylsur — Der beruehmteste Hot-Dog-Stand der Welt (laut einigen). Ein Hot Dog kostet 6-7 Euro und ist ueberraschend gut. Die Schlange ist lang, aber sie bewegt sich schnell. Bestellen Sie einen mit allem.
Noodle Station — Guenstige asiatische Suppen, grosse Portionen, unter 15 Euro. Ideal fuer kalte Tage.
Hlöllabátar — Islaendische Subway-Alternative. Frische Subs, unter 15 Euro. Mehrere Standorte.
Bonus Supermarkt — Der guenstigste Supermarkt (pinkes Schwein-Logo). Skyr, Brot, Kaese — ein Fruehstueck fuer unter 10 Euro zusammenstellen. Mehrere Standorte in der Stadt.
Mathöll Food Court im Grandi-Viertel
Verschiedene Staende unter einem Dach: islaendische Tacos, Ramen, Pizza, Craft-Bier. Gute Option, wenn die Gruppe sich nicht einigen kann. Hauptgerichte 15-25 Euro. Atmosphaere industriell-hip.
Was probieren: Islaendische Kueche
Die islaendische Kueche ist praktisch und durch die Isolation gepraegt. Vieles klingt gewoehnungsbeduerftig, aber probieren Sie es — manches wird Sie ueberraschen.
Unbedingt probieren
Skyr — Technisch ein Kaese, schmeckt wie cremiger Joghurt. Im Supermarkt ab 2 Euro, im Restaurant oft als Dessert. Mit Blaubeeren oder pur, ein perfektes Fruehstueck.
Plokkfiskur — Traditioneller Fischeintopf mit Kartoffeln und Zwiebeln. Comfort Food in reinster Form, besonders nach einem windigen Tag. In traditionellen Restaurants wie Cafe Loki erhaeltlich.
Lamm — Islaendisches Lamm ist ausgezeichnet. Die Tiere grasen frei auf Bergwiesen, das Fleisch ist zart und aromatisch. Hangikjöt (geraeuchertes Lamm) auf Brot ist ein Klassiker.
Harðfiskur — Getrockneter Fisch, traditionell mit Butter gegessen. Klingt seltsam, schmeckt aber aehnlich wie Chips mit mehr Substanz. Im Supermarkt als Snack erhaeltlich, gesund und proteinreich.
Humar (Langoustine) — Nicht technisch Hummer, aber koestlich. Suppe, gegrillt oder als Tail mit Butter. In fast jedem Fischrestaurant, ab 25-30 Euro.
Fuer Abenteuerlustige
Hakarl — Fermentierter Hai, das beruechtigtste islaendische Gericht. Der Geruch ist intensiv (Ammoniak), der Geschmack gewoehnungsbeduerftig. Probieren Sie ein kleines Stueck im Cafe Loki, mehr werden Sie wahrscheinlich nicht wollen. Ein Shot Brennivín (islaendischer Schnaps) hilft.
Svið — Gesengte Schafkoepfe, halbiert serviert. Sieht erschreckend aus, schmeckt aber aehnlich wie anderes Lammfleisch. Die Wangen sind zart, die Augen... optional.
Slátur — Islaendische Blutwurst in zwei Varianten: Blóðmör (Blutwurst) und Lifrarpylsa (Leberwurst). Im Supermarkt erhaeltlich, traditionell mit Kartoffelbrei.
Getraenke
Brennivín — Der Black Death, islaendischer Schnapps aus Kartoffeln mit Kuemmel. Traditionell zum Þorrablót-Fest, aber das ganze Jahr erhaeltlich. Oft als Shot zum Hakarl.
Craft-Bier — Erst seit 1989 ist Bier in Island wieder legal. Seitdem hat sich eine lebendige Craft-Szene entwickelt. Probieren Sie Brauereien wie Borg, Einstök oder Gæðingur. Ein Bier in einer Bar kostet 10-12 Euro, im Supermarkt ab 3-4 Euro.
Islaendisches Wasser — Direkt aus dem Hahn, gletscherfrisch und kostenlos. Kaufen Sie kein Flaschenwasser, das ist Verschwendung.
Lokale Geheimnisse: Insider-Tipps
Nach mehreren Aufenthalten habe ich einige Dinge gelernt, die in keinem Reisefuehrer stehen. Hier sind meine besten Insider-Tipps.
Geld sparen
Happy Hour nutzen: Fast jede Bar hat Happy Hour, meist zwischen 16 und 19 Uhr. Bier fuer 6-7 Euro statt 10-12 Euro. Die App Appy Hour zeigt aktuelle Angebote.
Bonus statt Kronan: Bonus (pinkes Schwein-Logo) ist der guenstigste Supermarkt. Kronan ist bequemer gelegen, aber 15-20 Prozent teurer. Fuer laengere Aufenthalte lohnt sich der Umweg.
Leitungswasser: Das Wasser aus dem Hahn ist exzellent. Tragen Sie eine wiederverwendbare Flasche. Warmwasser riecht nach Schwefel (geothermisch erwaermt), ist aber trinkbar.
Free Walking Tours: Mehrere Anbieter bieten Tip-basierte Stadtfuehrungen an. Gute Einfuehrung am ersten Tag, Sie zahlen, was es Ihnen wert war.
Bessere Erlebnisse
Frueh aufstehen: Besonders im Sommer. Um 7 Uhr morgens haben Sie beliebte Spots fast fuer sich. Die Reisebusse kommen ab 9-10 Uhr.
Nordlichter-Apps: Vedur.is (islaendischer Wetterdienst) hat eine Nordlicht-Prognose. My Aurora Forecast funktioniert auch gut. Bewoelkung ist der groesste Feind — fahren Sie der Wolkenluecke hinterher.
Geothermale Pools ausserhalb der Stadt: Die Blaue Lagune ist touristisch und teuer. Lokale Alternativen: Secret Lagoon in Fludir (guenstiger, authentischer), Reykjadalur Hot Spring (45 Minuten Wanderung, kostenlos), oder die oeffentlichen Pools in Reykjavik (Vesturbaejarlaug, Sundhöllin) fuer unter 10 Euro.
Wetterlagen: Islaendisches Wetter aendert sich stuendlich. Wenn es regnet, warten Sie eine Stunde. Wenn die Sonne scheint, gehen Sie sofort raus — sie bleibt vielleicht nicht.
Kulturelle Hinweise
Schuhe ausziehen: In Privatwohnungen und manchen kleinen Gasthaeusern zieht man die Schuhe aus. Achten Sie auf Schuhe an der Tuer.
Vor dem Pool duschen: In islaendischen Pools duscht man gruendlich — ohne Badekleidung — bevor man ins Wasser geht. Schilder erklaeren, welche Koerperteile mit Seife zu waschen sind. Nehmen Sie es ernst, Einheimische tun es auch.
Trinkgeld: Nicht erwartet und nicht ueblich. Servicegebuehr ist im Preis enthalten. Bei aussergewoehnlichem Service koennen Sie aufrunden.
Elfen und Hidden People: Fragen Sie nicht spöttisch danach. Viele Islaender glauben nicht buchstaeblich an Elfen, aber sie respektieren die Traditionen. Es ist komplizierter als es klingt.
Transport und Kommunikation
Vom Flughafen in die Stadt
Der internationale Flughafen Keflavík liegt 50 Kilometer von Reykjavik entfernt. Folgende Optionen haben Sie:
Flybus: Der Standardweg. 25-30 Euro einfach, 45-50 Euro hin und zurueck. Faehrt alle 30-45 Minuten, Fahrtzeit etwa 50 Minuten zum BSI-Busterminal. Von dort Shuttles zu Hotels.
Reykjavik Excursions: Aehnlicher Service, aehnliche Preise. Beide online buchbar.
Taxi: Ab 150 Euro, lohnt sich nur in Gruppen oder nachts.
Mietwagen: Ab Flughafen viele Anbieter. Frueh buchen fuer bessere Preise. Im Sommer ab 60-80 Euro pro Tag fuer Kleinwagen, Allrad (fuer Hochland) ab 120 Euro.
In der Stadt
Zu Fuss: Das Zentrum ist kompakt, alles in 20-30 Minuten erreichbar. Beste Option fuer 101 und Umgebung.
Busse (Strætó): Gelbe Stadtbusse, Einzelfahrt 500 ISK (ca. 3.50 Euro). Die Straeto-App funktioniert gut fuer Routenplanung und Bezahlung. Tagespass 1.800 ISK (ca. 12 Euro). Busse fahren nicht sehr haeufig, planen Sie Wartezeit ein.
Fahrrad: Flach und fahradfreundlich, aber Wind kann brutal sein. Mietraeder ab 25 Euro pro Tag. Im Winter nicht empfohlen.
Taxi: Teuer, aber transparent. Hrafnista und BSR sind zuverlaessige Anbieter. Uber existiert nicht in Island.
Ausserhalb der Stadt
Mietwagen: Die flexibelste Option. Islaendische Strassen sind gut, aber Wetter aendert sich schnell. Im Winter nur mit Erfahrung auf winterlichen Strassen fahren.
Wichtig: Ringstrasse (Route 1) ist ganzjaehrig befahrbar. F-Roads (Hochlandstrassen) nur mit Allrad und nur im Sommer. Strafzettel fuer falsche Nutzung sind hoch.
Organisierte Touren: Bequem und sicher, aber weniger flexibel. Golden Circle ab 80 Euro, Suedkueste ab 120 Euro, Snaefellsnes ab 150 Euro. Mehrere Anbieter: Reykjavik Excursions, Gray Line, kleinere lokale Anbieter oft persoenlicher.
Kommunikation
WLAN: Ueberall verfuegbar und kostenlos — Hotels, Cafes, sogar Busbahnhof. Qualitaet ist gut.
Mobilfunk: EU-Roaming gilt nicht in Island (Nicht-EU-Land). Lokale SIM-Karten von Siminn, Vodafone oder Nova ab 15-20 Euro mit Datenpaket. Am Flughafen oder in Tankstellen erhaeltlich.
Bezahlen: Karten werden ueberall akzeptiert, auch fuer kleine Betraege. Bargeld ist selten noetig. Kontaktloses Bezahlen Standard. Waehrung ist Islaendische Krone (ISK), aber Europreise zur Orientierung ueberall angegeben.
Sprache: Fast alle Islaender sprechen ausgezeichnet Englisch. Deutsch ist weniger verbreitet, aber in touristischen Gebieten kein Problem. Ein paar islaendische Woerter werden geschaetzt: Takk (Danke), Góðan dag (Guten Tag), Bless (Tschuess).
Fazit
Reykjavik ist eine Stadt der Kontraste — klein aber kosmopolitisch, teuer aber unvergesslich, rau aber einladend. Sie ist kein Reiseziel fuer jeden, aber fuer die richtigen Besucher bietet sie Erlebnisse, die nirgendwo sonst moeglich sind.
Planen Sie realistisch: Budget grosszuegig kalkulieren, Wetter flexibel einplanen, Erwartungen nicht zu spezifisch setzen. Die besten Momente in Island sind oft ungeplant — ein ploetzliches Nordlicht, ein unverhoffter Sonnendurchbruch ueber einem Wasserfall, ein Gespraech mit einem Einheimischen in einer kleinen Kneipe.
Kommen Sie vorbereitet, aber offen. Respektieren Sie die Natur und die lokale Kultur. Und bringen Sie wetterfeste Kleidung — das sage ich nicht oft genug.
Island ist teuer, aber es gibt nicht viele Orte auf der Welt, an denen Sie in drei Stunden von einer Hauptstadt zu einem Gletscher, einem Geysir und einem Wasserfall fahren koennen. Dieser Preis hat seinen Grund.