Matera
Matera 2026: Was Sie wissen müssen
Matera ist eine Stadt, die aus dem Fels geschlagen wurde. Wenn man am Rand der Gravina-Schlucht steht und auf Tausende von Höhlenbauten blickt, fuehlt man sich wie in einer biblischen Filmkulisse. Nicht umsonst hat Mel Gibson hier 'Die Passion Christi' gedreht und später wurden Szenen für den juengsten James-Bond-Film aufgenommen. Die Stadt, die in den 1950er-Jahren als 'Schande Italiens' galt wegen der Armut in den Hoehlenvierteln, ist heute UNESCO-Weltkulturerbe und war 2019 Kulturhauptstadt Europas.
Kurz gesagt: Matera lohnt sich wegen der einzigartigen Sassi - Höhlenquartiere, die in Kalksteinfelsen gehauen wurden. Übernachten Sie in einem Höhlenhotel, erkunden Sie Felsenkirchen mit Fresken aus dem 8. Jahrhundert, steigen Sie in die unterirdische Zisterne Palombaro Lungo hinab und wandern Sie durch die Gravina-Schlucht. Für Matera reichen 2-3 Tage, aber für eine ganze Woche laesst sich die Umgebung der Basilikata einbeziehen.
Diese Stadt ist für alle, die etwas völlig anderes als das typische Italien suchen. Hier gibt es keine grandiosen Plätze wie in Rom oder Kanaele wie in Venedig - dafür eine absolut einzigartige Landschaft, die seit 9000 Jahren existiert. Ehrlich gesagt: Matera ist klein und kompakt, in anderthalb Tagen hat man alle Hauptpunkte abgelaufen. Aber die Atmosphaere ist so besonders, dass man bleiben moechte - einfach auf den Stufen sitzen und zusehen, wie das goldene Abendlicht die steinernen Fassaden überzieht.
Stadtviertel: Wo übernachten in Matera
Sasso Barisano - das Herz der Hoehlenstadt
Das größere und touristisch besser erschlossene der beiden Höhlenquartiere. Hier konzentrieren sich die besten Höhlenhotels, Restaurants und kleine Boutiquen. Das Viertel ist nach Nordwesten ausgerichtet und liegt näher an der zentralen Piazza Vittorio Veneto. Ein Labyrinth aus Treppen, Gassen und Terrassen - hier kann man sich wunderbar verlaufen, und genau das ist das Beste, was einem passieren kann.
Vorteile: größte Auswahl an Höhlenhotels, praktische Lage, Restaurants in Gehweite, einmalige Atmosphaere
Nachteile: touristischstes Viertel, hoehere Preise, abends kann es durch die Restaurants etwas lauter werden
Preise: $$-$$$ (Höhlen-B&B ab 80 EUR, Boutique-Hotels 150-300 EUR)
In der Nähe: Kirche San Pietro Barisano, MUSMA, Palombaro Lungo
Sasso Caveoso - authentisch und ruhig
Das zweite Höhlenquartier, nach Südosten zur Gravina-Schlucht ausgerichtet. Der Caveoso ist weniger kommerzialisiert, es gibt weniger Restaurants, aber dafür mehr Atmosphaere des 'echten' Matera. Die Gassen sind enger und steiler, die Treppen endlos. Die besten Ausblicke auf die Schlucht und auf die gegenüberliegende Seite mit den Felsenkirchen. Genau hier wurden die Szenen für 'Die Passion Christi' gedreht.
Vorteile: authentische Atmosphaere, beste Ausblicke auf die Gravina, ruhiger, günstiger
Nachteile: steile Aufstiege, weniger Restaurants in der Nähe, abends dunkler
Preise: $$ (B&B ab 60 EUR, Höhlenzimmer ab 100 EUR)
In der Nähe: Kirche San Pietro Caveoso, Kirche Santa Maria de Idris, Casa Grotta di Vico Solitario
Piano - die Oberstadt
Das Viertel oberhalb der Sassi, rund um die Piazza Vittorio Veneto. Das ist die 'normale' Stadt mit Geschaeften, Bars und Pizzerien. Von hier fuehren die Abstiege in beide Sassi hinunter. Zentraler Verkehrsknotenpunkt: Busbahnhof und Parkplaetze sind in der Nähe. Die Atmosphaere einer italienischen Provinzstadt - durchaus angenehm, aber ohne den Wow-Effekt der Höhlen.
Vorteile: praktische Lage, Supermaerkte, normale Geschaefte, ebene Straßen
Nachteile: keine Hoehlenatmosphaere, weniger fotogen
Preise: $ (Hotels ab 50 EUR, B&B ab 40 EUR)
Civita - zwischen den Sassi, auf dem Hügel
Der höchste Teil der Altstadt, wo sich die Kathedrale von Matera befindet. Dieses Viertel verbindet die beiden Sassi und thront auf dem Felsruecken wie eine Krone. Enge Gassen, weiße Fassaden, Panoramaterrassen. Wenige Restaurants, dafür ruhig und mit unglaublichen Blicken auf beide Sassi gleichzeitig.
Vorteile: beste Panoramablicke, historischer Kern, Ruhe
Nachteile: der Aufstieg nach oben ist ermüdend, wenig Infrastruktur
Preise: $$ (Zimmer in historischen Palazzi ab 90 EUR)
Bahnhofsviertel / Via Lucana
Der moderne Stadtteil entlang der Via Lucana, vom Bahnhof Matera Centrale bis zur Altstadt. Hier leben die Einheimischen. Geschaefte, Apotheken, Banken - die gesamte Alltagsinfrastruktur. Hotels sind günstiger, aber bis zu den Sassi sind es 10-15 Minuten zu Fuß. Ideal für Budgetreisende und alle, die mit dem Zug anreisen.
Vorteile: günstig, praktisch für Zugreisende, Supermaerkte in der Nähe
Nachteile: keine besondere Atmosphaere, etwas weiter von den Sassi entfernt
Preise: $ (Hotels ab 35 EUR, Hostels ab 20 EUR)
Murgia Materana - für Naturliebhaber
Die gegenüberliegende Seite der Gravina-Schlucht, Teil des Naturparks. Hier liegt die Aussichtsplattform Belvedere Murgia Timone mit dem legendaeren Blick auf Matera. Hotels gibt es hier kaum - dies ist eine Zone für Wanderungen und Fotografie. In der Umgebung finden sich jedoch Agriturismo-Unterkünfte (bäuerliche Gaestehaeuser) für 40-70 EUR mit atemberaubenden Ausblicken.
Vorteile: Natur, Stille, bester Blick auf die Stadt
Nachteile: Auto notwendig, weit entfernt von jeder Infrastruktur
Preise: $ (Agriturismo ab 40 EUR)
Beste Reisezeit für Matera
Beste Monate: April bis Juni und September bis Oktober. Der Frühling in der Basilikata ist großartig: 18-25 Grad, sattes Grün, Blütenpracht, lange Tage. Der Herbst ist warm und trocken, es gibt weniger Touristen, und das Licht für Fotografien ist golden und weich. September bietet die ideale Balance aus Temperatur und Atmosphaere. Für Reisende aus dem DACH-Raum bedeutet das auch: noch angenehme Temperaturen, die man aus dem mitteleuropäischen Sommer kennt, aber mit deutlich mehr Sonne.
Juli und August: heiß. Wirklich heiß - 35-40 Grad, und die gesamte Stadt besteht aus Stein, der sich in der Sonne aufheizt. Die Sassi verwandeln sich in einen Steinofen. Besichtigen Sie bis 11 Uhr morgens und nach 18 Uhr, dazwischen verstecken Sie sich in den Hoehlenmuseen oder im klimatisierten Zimmer. Dafür lebt die Stadt abends auf: Festivals, Konzerte in Höhlen, Open-Air-Kino. Wer Hitze vertraegt und die sommerliche Stimmung liebt, wird nicht enttaeuscht - aber nehmen Sie genuegend Wasser mit und planen Sie Pausen ein.
November bis März: Nebensaison. Temperaturen von 5-12 Grad, Regen ist möglich, aber nicht durchgehend. Dafür ist die Stadt leer - die Sassi ganz für sich allein zu haben, ist unbezahlbar. In der Weihnachtszeit (Mitte Dezember) gibt es die lebende Krippe (Presepe Vivente) in den Sassi: Dutzende Höhlen werden mit biblischen Szenen belebt. Ein einzigartiges Schauspiel, das besonders deutschsprachige Besucher mit Sinn für Tradition begeistert.
Festivals und Veranstaltungen:
- 2. Juli - Festa della Bruna: das Hauptfest Materas. Eine Prozession mit einem riesigen Papierwagen (Carro Trionfale), den die Menge am Ende in Stücke reißt. Chaotisch und beeindruckend. Buchen Sie die Unterkunft 2-3 Monate im Voraus!
- Dezember bis Januar - Presepe Vivente: lebende Krippe in den Höhlen der Sassi. Schauspieler in biblischen Kostuemen, Handwerker arbeiten in den Höhlen, lebende Tiere.
- April und Mai - Osterprozessionen: feierliche Umzuege durch die Straßen der Altstadt.
- Sommer - Gezziamoci Jazz Festival, Women's Fiction Festival, Filmvorfuehrungen in Höhlen.
Wann ist es günstiger: November bis März (außer Weihnachten). Höhlenhotels ab 50-60 EUR, halbvolle Restaurants, keine Warteschlangen bei den Sehenswürdigkeiten. Für preisbewusste DACH-Reisende ist das die perfekte Zeit - Flüge nach Bari sind in der Nebensaison oft ab 50 EUR (Ryanair ab Wien, Eurowings ab Koeln/Düsseldorf) erhaeltlich.
Reiseroute: 3 bis 7 Tage in Matera
Matera in 3 Tagen: alle Hoehepunkte
Tag 1: Sasso Barisano und Eintauchen in die Stadt
9:00-10:00 - Beginnen Sie auf der Piazza Vittorio Veneto. Trinken Sie einen Kaffee in einer der Bars am Platz (1,20 EUR für einen Espresso am Tresen). Von hier öffnet sich der erste Blick auf die Sassi - ein Balkon über der Hoehlenstadt.
10:00-11:30 - Palombaro Lungo - die riesige unterirdische Zisterne direkt unter dem Platz. Eingang über das Tourismusbüro (5 EUR). Ein beeindruckendes Ingenieurswerk: ein gewaltiger Wasserspeicher, in den Fels gehauen, der einst die gesamte Stadt versorgte. Die Führung dauert 30-40 Minuten und ist auch für Kinder spannend.
11:30-13:00 - Steigen Sie in den Sasso Barisano hinab über die Via d'Addozio. Nehmen Sie sich Zeit - jede Biegung offenbart einen neuen Ausblick. Besuchen Sie die Kirche San Pietro Barisano - die größte Felsenkirche Materas. Unter der Kirche befinden sich unterirdische Gänge und Krypten (im Kombiticket enthalten, 7 EUR für 3 Felsenkirchen).
13:00-14:30 - Mittagessen in den Sassi. Suchen Sie Trattorien in den Seitengassen, abseits der Haupttreppen. Probieren Sie Orecchiette (Oehrchenpasta) mit Rapa oder Ragu.
15:00-17:00 - Casa Noha (FAI) - ein multimedialer Bericht über die Geschichte Materas in einem ehemaligen Adelshaus. Anschaulich und kompakt (45 Minuten). Danach MUSMA - das Museum für zeitgenoessische Skulptur in den Höhlen des Palazzo Pomarici. Ein überraschender Kontrast: moderne Kunst in uralten Höhlen.
18:00-20:00 - Sonnenuntergang. Beste Aussichtspunkte: die Terrasse bei der Kirche San Pietro Caveoso oder die Terrassen an der Via Bruno Buozzi. Wenn die Lichter in den Sassi angehen - das ist einer der schönsten Anblicke in ganz Italien.
20:30 - Abendessen in Civita oder der Oberstadt. Probieren Sie Peperone Crusco (getrockneter Paprika) - das Wahrzeichen der Basilikata-Küche.
Tag 2: Sasso Caveoso und die Gravina-Schlucht
9:00-10:30 - Kirche Santa Maria de Idris - direkt in den Felsen des Monte Errone gehauen, auf der Spitze. Im Inneren Fresken aus dem 12. bis 17. Jahrhundert. Die Aussicht von der Plattform am Eingang gehoert zu den besten der Stadt.
10:30-11:30 - Kirche Santa Lucia alle Malve - das erste Benediktinerinnenkloster Materas (8.-9. Jahrhundert). Die Fresken in der Felsennische sind die ältesten der Stadt.
11:30-12:30 - Casa Grotta di Vico Solitario - eine rekonstruierte Höhlenwohnung. Sie zeigt, wie Familien (zusammen mit ihren Haustieren!) bis in die 1950er-Jahre in einer einzigen Höhle lebten. Schockierend und lehrreich zugleich.
12:30-14:00 - Mittagessen im Viertel Caveoso. Weniger touristische Restaurants mit Blick auf die Schlucht.
14:30-17:30 - Wanderung durch die Gravina-Schlucht. Steigen Sie von San Pietro Caveoso über den Pfad zur alten Brücke Ponticello (roemische Straße) hinab. Überqueren Sie auf die andere Seite der Schlucht. Wandern Sie bis zum Belvedere Murgia Timone - die berühmte Aussichtsplattform mit Blick auf die gesamte Stadt. Unterwegs: Felsenkirchen in den Klippen (Fresken aus dem 8.-13. Jahrhundert, Eintritt frei). Die Strecke umfasst 5-6 km bei mittlerem Schwierigkeitsgrad. Nehmen Sie Wasser und bequeme Wanderschuhe mit!
18:00 - Rückkehr in die Stadt. Aperitif auf der Piazza Vittorio Veneto oder auf einer Terrasse in den Sassi.
20:30 - Abendessen. Bestellen Sie Agnello alla Materana (Lamm nach Materaner Art) und den lokalen Wein Aglianico del Vulture.
Tag 3: Krypta und Umgebung
9:00-11:00 - Krypta der Erbsuende - 14 km außerhalb der Stadt. Die 'Sixtinische Kapelle der Höhlenkunst': Fresken aus dem 8.-9. Jahrhundert von erstaunlicher Erhaltung. Buchen Sie unbedingt online im Voraus! Führungen zu festen Zeiten, kleine Gruppen. Transfer oder Taxi (15-20 EUR pro Strecke).
11:30-13:00 - Zurück in der Stadt, erkunden Sie, was Sie verpasst haben. Schauen Sie in die Werkstaetten der Handwerker (Cucu-Keramik - ein Pfeifhahnchen als Wahrzeichen Materas), in Buchläden und Feinkostgeschaefte mit lokalen Produkten.
13:00-14:30 - Letztes Mittagessen: Focaccia Materana (dick, weich, mit Tomaten und Oliven) in einer Bäckerei der Altstadt.
15:00-17:00 - Kathedrale von Matera in Civita - eine romanische Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert auf dem Felsruecken. Im Inneren ein Fresko des Juengsten Gerichts und die byzantinische Ikone der Madonna della Bruna. Vom Domplatz aus eroeffnet sich ein Panorama auf beide Sassi.
17:00-18:30 - Freie Zeit für Fotos. Das Abendlicht in Matera ist unschlagbar für die Fotografie. Besonders schön: die Via Madonna delle Virtu und die Stufen rund um den Monte Errone.
Matera in 5 Tagen: ohne Eile
Tage 1-3 wie oben, dazu:
Tag 4: Genuss und Handwerk
9:00-12:00 - Kochkurs für Orecchiette (Oehrchenpasta). Mehrere Kochschulen bieten Kurse ab 40-60 EUR pro Person an. Sie formen die Pasta von Hand, wie es die Großmütter in der Basilikata tun, und essen anschließend, was Sie zubereitet haben. Für deutschsprachige Gäste werden haeufig auch englische Anleitungen angeboten - oder man versteht sich mit Haenden und Lachen.
14:00-16:00 - Besuchen Sie eine Olivenfarm oder ein Weingut in der Umgebung. Die Basilikata ist eine Region mit hervorragendem Aglianico del Vulture-Wein und Olivenoel. Verkostungen ab 15-25 EUR.
17:00-19:00 - Erkunden Sie das Viertel Lanera - einen weniger bekannten Teil des Sasso Barisano. Hier gibt es kaum Touristen: verlassene Höhlen, verwilderte Kakteen, die durch den Stein brechen, Katzen, die auf den Stufen schlafen. Ein Ort zum Innehalten.
Tag 5: Tagesausflug
Variante A: Altamura (30 Minuten mit dem Auto) - die Stadt des Brotes. Das berühmte Pane di Altamura (DOP) gilt als eines der besten Brote der Welt. Besuchen Sie historische Bäckereien mit Holzoefen, probieren Sie Focaccia Ripiena (gefuellte Focaccia). Außerdem: Dinosaurierspuren im Steinbruch Pontrelli - echte Fußabdrücke aus der Kreidezeit.
Variante B: Castelmezzano und der Engelsflug (1 Stunde) - ein Dorf in den Lukanischen Dolomiten. Die Häuser kleben am Fels wie Schwalbennester. Der 'Volo dell'Angelo' - eine Zipline zwischen zwei Dörfern (Castelmezzano und Pietrapertosa) auf 1000 m Höhe. Adrenalin und Aussicht pur. Ticket 40 EUR. Ein Erlebnis, das man in den Alpen so nicht bekommt.
Variante C: Craco (40 Minuten) - eine Geisterstadt auf einem Hügel. 1963 wegen Erdrutschen verlassen. Gefuehrte Tour (10 EUR) - auf gespenstische Weise schön. Hier wurden 'Ein Quantum Trost' (Bond) und 'Christus kam nur bis Eboli' gedreht.
Matera in 7 Tagen: mit Umgebung
Tage 1-5 wie oben, dazu:
Tag 6: Küste der Basilikata
Maratea (2 Stunden) - die 'Perle des Tyrrhenischen Meeres'. Felsige Buchten mit türkisem Wasser, eine Christusstatue auf dem Gipfel (wie in Rio de Janeiro). Oder Metaponto (40 Minuten) - griechische Ruinen und Strand. Die Tyrrhenische Küste ist landschaftlich schöner, die Ionische näher und mit archaeologischen Staetten. Beide bieten eine willkommene Abwechslung zum Stein Materas.
Tag 7: Potenza und die lukanischen Burgen
Melfi (1,5 Stunden) - die Normannenburg Friedrichs II., oder Venosa - Geburtsstadt des Dichters Horaz, roemische Ruinen. Mittagessen in einem Agriturismo mit lukanischer Küche. Abends ein Abschiedsessen in Matera auf einer Terrasse mit Blick auf die Sassi. Wer die Geschichte des Stauferreichs in Sueditalien kennt, wird Melfi besonders schaetzen - Friedrich II. hielt hier mehrere Reichstage ab.
Essen gehen: Restaurants und Cafés in Matera
Straßenküche und Bäckereien
Matera ist keine klassische Stadt der Straßenküche. Aber hier herrscht ein Kult um Brot und Focaccia. Pane di Matera (IGP) - riesige Laibe aus Hartweizengrieß-Semola, mit knuspriger Kruste und weichem Inneren. Kaufen Sie in den historischen Bäckereien (Panificio) - ein Stück mit Tomaten und Olivenoel für 2-3 EUR ersetzt ein Frühstück. Für deutschsprachige Besucher, die an Vollkornbrot gewoehnt sind: das Brot hier ist eine völlig andere Erfahrung, goldgelb, aromatisch und tagelang haltbar.
Focaccia Materana - dicker als die neapolitanische, weicher als die roemische. Mit Kirschtomaten, Oliven, Zwiebeln. In den Bäckereien der Sassi ab 2,50 EUR pro Portion. Achten Sie auf das Schild 'Forno a legna' (Holzofen).
Frizzuli (oder Ferretti) - handgemachte lokale Pasta, um einen duennen Stab gewickelt. Auf Festivals und Märkten wird sie manchmal mit Ragu direkt in Pappbechern verkauft.
Lokale Trattorien
Das beste Essen in Matera findet man in kleinen Trattorien, wo die Speisekarte handgeschrieben ist oder gar nicht existiert (der Wirt erzaehlt, was es heute gibt). Kennzeichen eines guten Lokals: karierte Tischdecken, Einheimische am Mittagstisch, Wein im Krug. Durchschnittlicher Preis: 15-25 EUR für ein vollstaendiges Mittagessen (Primo + Secondo + Wein). Das ist für DACH-Verhaeltnisse ein echtes Schnäppchen - vergleichbar mit einer Hauptspeise allein in München oder Zürich.
Suchen Sie Trattorien in der Via Fiorentini, in den Seitengassen des Sasso Barisano (abseits der Haupttreppen) und rund um die Piazza Sedile. Mittagszeit: 12:30-14:30 Uhr. Abends: ab 20:00 Uhr. Reservieren Sie in der Hochsaison, besonders für Abendplaetze mit Ausblick.
Restaurants der gehobenen Mittelklasse
In den Sassi haben zahlreiche Restaurants mit schönen Terrassen und Blick auf die Schlucht eroeffnet. Preise: 30-50 EUR für ein Abendessen mit Wein. Die Küche bietet eine moderne Interpretation der Basilikata-Tradition. Reservieren Sie für das Abendessen in der Hochsaison, besonders die Plätze mit Aussicht.
Civita und der obere Teil des Sasso Barisano bieten die größte Auswahl. Achten Sie auf Lokale mit dem Hinweis 'Cucina Lucana' (lukanische Küche) - das bedeutet, der Küchenchef kocht mit lokalen Produkten.
Spitzenrestaurants
Für einen besonderen Abend. In Matera gibt es einige Restaurants mit Michelin-Empfehlungen. Durchschnittlicher Preis: 60-100 EUR pro Person mit Wein. Degustationsmenues mit 5-7 Gängen aus lokalen Produkten und kunstvoll angerichteten Gerichten. Reservieren Sie mindestens eine Woche im Voraus während der Saison. Schauen Sie in der Zone Civita und an der Via Ridola.
Cafés und Frühstück
Italienisches Frühstück - ein Cornetto (Croissant) und ein Cappuccino für 2-3 EUR. In Matera kommt das Pasticiotto dazu - ein süßes Gebäck mit Creme, typisch für Sueditalien. Die besten Frühstückscafes finden Sie auf der Piazza Vittorio Veneto und an der Via del Corso. Am Tresen (al banco) zahlt man 2-3 mal weniger als am Tisch (al tavolo). Dieser Unterschied überrascht viele deutschsprachige Besucher, die das Konzept 'Tischzuschlag' nicht gewohnt sind - aber es ist in ganz Italien üblich.
Für eine Kaffeepause: suchen Sie Bars in den Sassi mit Terrassen. Espresso: 1-1,20 EUR. Cappuccino: 1,50-2 EUR. Nach 11 Uhr morgens trinken Italiener keinen Cappuccino mehr - aber als Tourist duerfen Sie das.
Kulinarische Highlights: Was Sie in Matera probieren müssen
Orecchiette con le cime di rapa - Oehrchenpasta mit Stielmus, Knoblauch und Sardellen. Ein Klassiker der Basilikata und Apuliens. Die besten bekommt man in Trattorien, wo die Großmütter sie jeden Morgen von Hand formen. Preis: 8-12 EUR. Als Primo bestellen.
Peperone Crusco - die Visitenkarte der Basilikata. Getrockneter Suesspaprika aus Senise, für Sekunden im Fett frittiert. Knusprig, süßlich, mit nichts vergleichbar. Wird als Beilage serviert, zur Pasta gegeben oder auf Bruschetta gebroeselt. Ein Paeckchen als Mitbringsel - das beste Souvenir. 3-5 EUR pro Packung in den Läden der Sassi.
Crapiata Materana - ein uraltes Bauerngericht: ein dicker Eintopf aus verschiedenen Huelsenfruechten (Linsen, Kichererbsen, Bohnen) und Getreide (Weizen, Gerste). Traditionell am 1. August zum Erntefest zubereitet. Einige Restaurants bieten es ganzjaehrig an. 8-10 EUR.
Pane di Matera IGP - Brot mit geschuetzter geographischer Angabe. Aus Hartweizengrieß Semola, im Holzofen gebacken. Riesige Laibe bis zu 10 kg. Knusprige Kruste, gelbliches Inneres. Haelt sich eine Woche. Ein Stück mit Oel und Tomaten - ein vollstaendiges Mittagessen für 3 EUR.
Strazzate - Schokoladenkekse mit Mandeln, typisch für Matera. Die Oberflaeche ist 'zerrissen' (strazzata = zerrissen). Kaufen Sie sie in den Bäckereien - 1-2 EUR pro Stück. Perfekt zum Espresso.
Lucanica - duenne Schweinewurst mit Fenchel und Peperoncino. Der Name gab dem Wort 'Luganega' in ganz Italien seinen Ursprung. Getrocknet oder frisch. Auf jeder Antipasti-Platte (Tagliere) in jedem Restaurant zu finden. Ein Tagliere mit Wuerstchen und Kaese: 10-15 EUR. Wer Landjaeager oder Kaminwurzen kennt, wird die Verwandtschaft schmecken.
Agnello alla Materana - geschmortes Lamm mit Kartoffeln, Tomaten und Zwiebeln (Tiella). Wird stundenlang im Tontopf gegärt. Klassisches Secondo. 12-18 EUR.
Caciocavallo Podolico - gereifter Kaese aus der Milch von Podolica-Rindern, die auf den wilden Weiden der Basilikata grasen. Komplexer, pikanter Geschmack. Wird gegrillt (alla piastra) oder als Antipasto serviert. Stück auf dem Markt: 10-15 EUR/kg. Eine Alternative zum Parmesan, die man im DACH-Raum kaum findet.
Aglianico del Vulture DOC - Rotwein aus der autochthonen Rebsorte Aglianico. Kräftig, tanninreich, mit Noten von Kirsche und Gewürzen. Beste Erzeuger: Basilisco, Elena Fucci, Grifalco. Flasche im Restaurant: 18-35 EUR. In Vinotheken: ab 10 EUR. Wer Barolo oder Brunello schaetzt, wird diesen Wein lieben.
Was Sie NICHT bestellen sollten: Pizza in Matera (das ist nicht Neapel - die Pizza ist bestenfalls mittelmäßig). Meeresfruechte (die Stadt liegt weit vom Meer entfernt). 'Touristenmenue' für 15 EUR - in der Regel Tiefkuehlkost.
Für Vegetarier: Die Basilikata ist gastfreundlich: viele Gerichte mit Gemuese, Huelsenfruechten und Pasta. Parmigiana di Melanzane (Auberginen), Ciambotta (Gemuese-Eintopf), Orecchiette con i Peperoni Cruschi.
Geheimtipps der Einheimischen
- Das richtige Schuhwerk entscheidet alles. Matera ist eine Stadt der Treppen. Hunderte von Stufen, polierter Stein, geneigte Flächen. Absaetze bedeuten einen Besuch in der Notaufnahme. Nur Turnschuhe oder Wanderschuhe. Nach Regen ist der Stein glatt wie Eis. Wer die Alpen kennt, kennt das Prinzip - nur dass man hier mitten in der Stadt wandert.
- Kommen Sie früh oder bleiben Sie spät. Die Sassi sind zwischen 10 und 17 Uhr voller Touristen (besonders Kreuzfahrtgruppen aus Bari). Um 7 Uhr morgens und nach 20 Uhr gehoert die Stadt Ihnen allein. Fotos der Sassi im Caveoso bei Sonnenaufgang ohne eine Menschenseele - das ist möglich und jedes frühe Aufstehen wert.
- Kaufen Sie nicht sofort das Kombiticket. Es gibt verschiedene Varianten: für 3 Felsenkirchen (7 EUR), erweitert (10 EUR), komplett (15 EUR). Bei 1-2 Tagen reicht das Ticket für 3 Kirchen plus einzeln Palombaro Lungo und die Krypta. Planen Sie zuerst, was Sie sehen moechten.
- Buchen Sie die Krypta der Erbsuende im Voraus. Die Gruppen sind klein (bis 25 Personen), die Zeitfenster fuellen sich schnell. In der Hochsaison 2-3 Wochen vorher buchen. Ohne Reservierung stehen die Chancen schlecht.
- Trinkwasser aus den Brunnen. Nehmen Sie eine Mehrwegflasche mit. Trinkbrunnen (Fontanelle) gibt es überall in der Stadt. Ersparnis: 2-3 EUR pro Tag gegenüber Flaschenwasser. In der DACH-Region kennt man öffentliche Trinkbrunnen kaum - in Italien sind sie Standard.
- Parken ist eine Herausforderung. In den Sassi gibt es keine Parkplaetze. Kostenlose Parkplaetze am Stadtrand (Via Lucana, Zona Spine Bianche), 15-20 Minuten zu Fuß. Kostenpflichtige Parkplaetze an der Via Annunziatella (1-1,50 EUR/Stunde) sind näher. Wenn Sie mit dem Auto kommen - parken und vergessen Sie es für den Rest des Aufenthalts.
- Laufen Sie ohne Karte. Im Ernst. Matera ist klein genug, um sich nicht endgueltig zu verlaufen, aber verwinkelt genug, um hinter jeder Ecke einen unerwarteten Ausblick zu entdecken. Die besten Eindruecke entstehen, wenn Sie falsch abbiegen. Das GPS in den Sassi ist ohnehin unzuverlaessig - es kennt keine Treppen und Ebenen.
- Matera bei Nacht ist eine eigene Show. Wenn die Lichter angehen, verwandeln sich die Sassi in eine Weihnachtspostkarte. Bester Aussichtspunkt: Via Bruno Buozzi (Sasso Barisano) oder von der Kirche San Pietro Caveoso aus. Fotografen: Stativ ist Pflicht.
- Basilikata, nicht Apulien. Viele Touristen packen Matera in eine 'Apulien-Rundreise', aber Matera ist die Hauptstadt der Basilikata. Das ist eine andere Region mit anderer Küche und anderem Charakter. Verwechseln Sie das nicht - die Einheimischen nehmen es Ihnen uebel (nur halb im Scherz).
- Planen Sie Matera nicht als Tagesausflug von Bari. Möglich waere es, aber Sie würden nichts spüren. Matera entfaltet sich abends, beim Sonnenuntergang, bei Nacht. Morgens ankommen und um 17 Uhr abreisen bedeutet, das Beste zu verpassen. Mindestens eine Übernachtung ist ein Muss - am besten in einem Höhlenhotel, das allein ist schon ein Erlebnis.
- Handwerkliche Souvenirs. Cucu - ein toenernen Pfeifhahnchen, das Wahrzeichen Materas. Handarbeit ab 5 EUR. Peperone Crusco in Vakuumverpackung: 3-5 EUR. Lokales Olivenoel in Blechdosen - das ideale Mitbringsel für Zuhause, passt problemlos in den Koffer.
Transport und Verbindungen
Anreise aus dem DACH-Raum
Das Tor zu Matera ist der Flughafen Bari-Palese (BRI). Direktflüge aus dem deutschsprachigen Raum:
- Ab München: Ryanair, Eurowings - Direktflüge nach Bari, ca. 1:45 Stunden. Ab 30-80 EUR one-way, je nach Saison.
- Ab Frankfurt: Lufthansa, Ryanair - Direktflüge nach Bari, ca. 2 Stunden.
- Ab Wien: Ryanair, Wizz Air - Direktflüge nach Bari, ca. 1:40 Stunden. Oft sehr günstige Tarife.
- Ab Zürich: Swiss, Eurowings - Direktflüge nach Bari, ca. 2 Stunden.
Alternativ: Flug nach Neapel (mehr Verbindungen) und weiter mit Bus oder Mietwagen (3 Stunden). Oder nach Rom und mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Bari (4 Stunden mit Frecciarossa), dann weiter nach Matera.
Von Bari nach Matera
Vom Flughafen Bari-Palese:
- Bus (Flixbus / Pugliairbus): Direktverbindung Flughafen Bari - Matera. 1,5 Stunden, 5-10 EUR. Faehrt 4-6 Mal täglich. Bequem und günstig. Tickets online buchen.
- Zug FAL (Ferrovie Appulo Lucane): von Bari Centrale nach Matera Centrale. 1,5-2 Stunden, 5 EUR. Regionalzug, langsam, aber landschaftlich reizvoll. Achtung: Bahnhof Bari FAL nicht mit Trenitalia verwechseln! Es ist ein eigener Bahnhof.
- Taxi / Transfer: 100-130 EUR. Zu dritt oder viert aufgeteilt durchaus sinnvoll. BlaBlaCar: ab 5 EUR.
- Mietwagen: 1 Stunde über die Autobahn. Praktisch für die Erkundung der Umgebung, aber in Matera selbst ist ein Auto eher hinderlich (Parkplatzprobleme). Mietwagen ab Bari ab ca. 25 EUR/Tag über CHECK24 oder billiger-mietwagen.de.
Fortbewegung in der Stadt
Matera ist eine Fussgaengerstadt. Das gesamte historische Zentrum laesst sich in 30-40 Minuten durchqueren (wenn man nicht stehen bleibt, was unmoeglich ist). Öffentliche Verkehrsmittel braucht man nur für Fahrten an den Stadtrand.
- Stadtbusse (MICCOLIS): verbinden Bahnhof, Parkplaetze und Zentrum. 1 EUR pro Fahrt. Der Fahrplan ist unzuverlaessig - verlassen Sie sich nicht darauf.
- Taxi: in Matera gibt es wenige Taxis. Bestellung per Telefon, Über existiert hier nicht. Fahrt innerhalb der Stadt: 8-12 EUR. Bis zur Krypta der Erbsuende: 15-20 EUR.
- Zu Fuß: die einzig vernuenftige Art der Fortbewegung. Rechnen Sie mit 5-10 km Fußmarsch pro Tag, hauptsaechlich über Treppen. Wer in den Alpen wandert, hat hier Heimvorteil.
- TukTuk: touristische Tuktuks fahren durch die Oberstadt. 15-20 EUR für eine Tour. Unterhaltsam, aber nicht unbedingt noetig.
Internet und Kommunikation
SIM-Karte / eSIM: Italien gehoert zur EU. Mit einer deutschen, österreichischen oder Schweizer SIM-Karte (EU-Roaming) fallen keine Zusatzkosten an. Für Schweizer Prepaid-Karten prüfen Sie vorab die Roaming-Konditionen. SIM-Karten vor Ort: TIM, Vodafone, WindTre - Verkaufsstellen an der Via del Corso. Touristen-SIM: 10-15 EUR für 10-50 GB. eSIM (Airalo, Holafly): ab 5 EUR für 1 GB.
WLAN: in Hotels und Cafés nahezu überall verfuegbar. Die Geschwindigkeit in Höhlenhotels kann schwach sein (dicke Waende). Auf der Piazza Vittorio Veneto gibt es staedtisches WLAN (langsam, aber für Nachrichten ausreichend).
Nuetzliche Apps:
- Trenitalia + FAL Basilicata - Fahrpläne für Züge und Busse
- Google Maps - Navigation, aber in den Sassi manchmal ungenau (beruecksichtigt keine Treppen und Ebenen)
- Maps.me - Offline-Karten, funktioniert in den Sassi besser als Google Maps
- TheFork (LaFourchette) - Restaurantreservierung mit Rabatten bis 50%
- Flixbus - Busse von Bari, Neapel, Rom
- DB Navigator / OEBB / SBB - für die Anreiseplanung bis Bari
Fazit: Für wen eignet sich Matera?
Matera ist keine Stadt zum Abhaken, sondern zum Erleben. Sie ist klein, aber unglaublich dicht an Eindruecken: 9000 Jahre Geschichte, einzigartige Architektur, kraftvolle Gastronomie und eine Atmosphaere, die unter die Haut geht. Hier braucht man keine Checkliste mit Sehenswürdigkeiten - man muss einfach gehen, schauen und fuehlen.
Ideal für: Fotografen, Paare (romantische Höhlenhotels), Geschichts- und Architekturliebhaber, Feinschmecker, alle, die ein 'anderes' Italien abseits der ausgetretenen Pfade suchen.
Weniger geeignet für: Strandurlaub (das Meer ist 1-2 Stunden entfernt), Familien mit kleinen Kindern (Treppen überall, Kinderwagen nutzlos), Shopping- und Nachtleben-Fans (die Stadt schlaeft gegen 23 Uhr ein).
Wie viele Tage: mindestens 2 Naechte, optimal 3-4 Tage (mit Umgebung), maximal eine Woche (mit Ausflügen in die Basilikata).
Informationen auf dem Stand von 2026.