Casablanca
Casablanca 2026: Was du wissen musst
Casablanca ist nicht Marrakesch. Wer hierher kommt und eine romantische Medina mit Schlangenbeschwörern erwartet, wird enttäuscht. Wer aber eine lebendige, widersprüchliche Metropole erleben will, in der sich französische Kolonialarchitektur, marokkanische Moderne und atlantische Rauheit mischen, ist genau richtig. Casa -- so nennen die Einheimischen ihre Stadt -- ist mit fast vier Millionen Einwohnern das wirtschaftliche Herz Marokkos. Hier wird Geld verdient, hier wird gebaut, hier pulsiert das echte städtische Leben abseits der Touristenströme.
Die Hassan-II.-Moschee kennt jeder. Aber Casablanca ist so viel mehr: eine Stadt mit grandioser Art-Deco-Architektur, einer unterschätzten Küche, einer langen Corniche am Atlantik und Vierteln, die sich anfühlen wie kleine eigene Welten. Die Stadt hat in den letzten Jahren massiv investiert -- die neue Tramway, restaurierte Gebäude in der Art-Deco-Innenstadt, neue Kulturzentren. 2026 ist ein guter Zeitpunkt, um Casa zu entdecken, bevor der grosse Ansturm kommt.
Für Reisende aus dem DACH-Raum ist Casablanca unkompliziert erreichbar: Direktflüge ab Frankfurt, München, Zürich und Wien bringen dich in drei bis vier Stunden ans Ziel. Kein Visum nötig für bis zu 90 Tage. Die Zeitverschiebung beträgt minus eine Stunde (MEZ) bzw. minus zwei Stunden (MESZ). Und ja -- Rick's Cafe existiert tatsächlich, auch wenn Humphrey Bogart nie einen Fuss in die Stadt gesetzt hat.
Stadtteile: Wo übernachten in Casablanca
Casablanca ist gross und weitläufig. Die Wahl des Viertels entscheidet massgeblich über dein Erlebnis. Hier die sieben wichtigsten Quartiere mit konkreten Empfehlungen.
1. Centre-Ville (Stadtzentrum)
Das historische Zentrum rund um die Place Mohammed V und den Boulevard Mohammed V ist das Herz der Art-Deco-Innenstadt. Hier stehen die prächtigsten Kolonialbauten, hier findest du die grössten Hotels und bist fussläufig bei den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Die Gegend ist tagsüber geschäftig und abends ruhiger -- nicht unsicher, aber auch nicht das pulsierende Nachtleben. Hotels im Centre-Ville kosten zwischen 50 und 150 EUR (550-1650 MAD) pro Nacht für ein Doppelzimmer. Besonders empfehlenswert für Erstbesucher, die alles zu Fuss erkunden wollen.
2. Anfa
Das gehobene Wohnviertel westlich des Zentrums ist Casablancas eleganteste Adresse. Breite, baumbestandene Boulevards, Villen im Art-Deco-Stil, gute Restaurants und ein Gefühl von Ruhe mitten in der Grossstadt. Hier liegen auch einige der besten Boutique-Hotels der Stadt. Preislich bewegst du dich zwischen 80 und 200 EUR (880-2200 MAD). Ideal für Reisende, die Komfort und eine ruhige Basis suchen, von der aus sie die Stadt erkunden. Mit der Tram oder dem Taxi bist du in zehn Minuten im Zentrum.
3. Corniche / Ain Diab
Der Küstenstreifen entlang der Corniche Casablanca ist Casablancas Freizeitmeile. Hier reihen sich Beach Clubs, Restaurants, Cafes und Hotels aneinander. Die Atlantikbrise macht selbst heisse Sommertage erträglich. Die Strandqualität ist allerdings durchwachsen -- zum Schwimmen besser die Pools der Beach Clubs nutzen (Tageseintritt 10-25 EUR / 110-275 MAD). Hotels an der Corniche kosten 70-180 EUR (770-1980 MAD). Perfekt für alle, die Meerblick und Strandnähe dem Stadttrubel vorziehen.
4. Habous (Quartier des Habous / Neue Medina)
In den 1920er-Jahren von französischen Architekten als idealisierte Version einer marokkanischen Medina gebaut, ist Habous ein faszinierendes Viertel mit Arkadengängen, kleinen Geschäften und einer authentischen Atmosphäre. Hier kaufen Einheimische ihre Oliven, Gewürze und Süssigkeiten. Unterkünfte sind rar, aber es gibt einige charmante Riads und Pensionen zwischen 40 und 90 EUR (440-990 MAD). Empfehlenswert für Reisende, die eine ruhigere, traditionellere Seite von Casablanca erleben möchten.
5. Maarif
Das kommerziellste Viertel Casablancas: Shopping-Malls, Boutiquen, Cafes, Restaurants -- hier spielt sich das moderne marokkanische Stadtleben ab. Der Twin Center Tower ist das Wahrzeichen. Maarif ist laut, bunt und unglaublich lebendig. Hotels und Apartments gibt es zwischen 45 und 120 EUR (495-1320 MAD). Die beste Wahl für alle, die Shopping, Essen gehen und das Nachtleben von Casa erleben wollen. Die Tram hält direkt im Viertel.
6. Alte Medina (Ancienne Medina)
Die Alte Medina von Casablanca ist kleiner und weniger touristisch als die von Fes oder Marrakesch. Genau das macht ihren Reiz aus. Enge Gassen, kleine Handwerksbetriebe, der Geruch von frischem Brot und Minztee. Die Unterkünfte hier sind einfacher: kleine Riads und Gästehäuser zwischen 30 und 70 EUR (330-770 MAD). Wer authentisches Medina-Feeling ohne Touristenmassen sucht, ist hier richtig. Nachts kann es sehr ruhig werden -- das ist Geschmackssache.
7. Bourgogne
Ein aufstrebendes Viertel zwischen Centre-Ville und Maarif, das bei jungen Marokkanern und Expats beliebt ist. Hier entstehen neue Cafes, Co-Working-Spaces und kreative Läden. Die Preise sind noch moderat: 35-80 EUR (385-880 MAD) für ein gutes Hotelzimmer oder Apartment. Bourgogne ist der Geheimtipp für alle, die das Casablanca von morgen sehen wollen -- weniger poliert als Anfa, lebendiger als das Centre-Ville, authentischer als die Corniche.
Beste Reisezeit für Casablanca
Casablanca liegt am Atlantik und hat ein mediterranes Klima mit ozeanischem Einfluss. Das bedeutet: mildere Temperaturen als im Landesinneren, aber auch mehr Feuchtigkeit und Wind. Die Wahl der Reisezeit hängt davon ab, was du vorhast.
März bis Mai (Frühling)
Die beste Reisezeit überhaupt. Temperaturen zwischen 18 und 24 Grad, wenig Regen, alles grünt und blüht. Die Stadt ist noch nicht von Sommertouristen überlaufen. Hotelpreise sind moderat. Der Atlantik ist mit 17-19 Grad noch frisch, aber die Corniche lädt zum Flanieren ein. Für Sightseeing und Stadtbummel ideal.
Juni bis August (Sommer)
Warm, aber dank der Atlantikbrise selten drückend heiss. Temperaturen zwischen 22 und 28 Grad -- deutlich angenehmer als in Marrakesch, wo das Thermometer über 40 Grad klettert. Die Beach Clubs an der Corniche haben Hochsaison. Nachteil: Die Stadt ist voller, die Hotels teurer (Aufschlag 20-30 Prozent), und der Ramadan kann je nach Jahr in diese Zeit fallen -- dann ändern sich Öffnungszeiten und Rhythmus der Stadt grundlegend.
September bis November (Herbst)
Ebenfalls eine ausgezeichnete Reisezeit. September und Oktober bieten noch sommerliche Temperaturen (22-26 Grad) bei weniger Besuchern. Das Meer ist mit 21-23 Grad am wärmsten. Ab November wird es kühler und regnerischer, aber immer noch deutlich milder als in Mitteleuropa. Gute Zeit für Kulturinteressierte, die Museen und Architektur ohne Hitze geniessen wollen.
Dezember bis Februar (Winter)
Der marokkanische Winter bringt Temperaturen zwischen 10 und 18 Grad, gelegentliche Regenschauer und kurze Tage. Casablanca ist kein Winterflucht-Ziel wie die Kanaren, aber immer noch milder als Deutschland, Österreich oder die Schweiz. Hotelpreise sind am niedrigsten (Rabatte von 30-40 Prozent), die Stadt zeigt sich von ihrer authentischsten Seite. Warme Jacke und Regenschirm nicht vergessen. Abends kann es empfindlich kühl werden, besonders an der Küste.
Zusammenfassung: April und Oktober sind die absoluten Topmonate. Wer es günstiger will, kommt im Januar oder Februar. Wer Strand und Beach Clubs will, im Juli oder August.
Reiseroute: 3 bis 7 Tage in Casablanca
Tag 1: Ankunft und Orientierung
Der Mohammed V International Airport liegt 30 Kilometer südlich der Stadt. Der Zug (Casa Voyageurs oder Casa Port) kostet etwa 4 EUR (44 MAD) und braucht 45 Minuten. Ein Taxi zum Zentrum kostet fix 30 EUR (330 MAD) -- bestehe auf dem Festpreis, der am Taxistand angeschlagen ist. Petit Taxis (rot) fahren innerhalb der Stadt, Grand Taxis (weiss) zum Flughafen.
Nach dem Einchecken: Spaziergang durch das Centre-Ville. Starte am Place Mohammed V, bewundere das Rathaus, das Justizgebäude und das alte Postamt -- alles Meisterwerke der Art-Deco-Architektur. Lauf den Boulevard Mohammed V entlang und lass die Fassaden auf dich wirken. Casablanca hat die grösste Sammlung von Art-Deco-Gebäuden in Afrika, und die meisten stehen genau hier. Abendessen im Stadtzentrum -- ein einfaches Restaurant mit Tajine und frischem Brot für 8-12 EUR (88-132 MAD) ist der perfekte Einstieg.
Tag 2: Die grossen Highlights
Morgens zur Hassan-II.-Moschee -- und zwar früh, am besten zur ersten Führung um 9 Uhr. Die Moschee ist das einzige aktive Gotteshaus in Marokko, das Nicht-Muslime betreten dürfen. Der Eintritt kostet 14 EUR (155 MAD) mit Führung (auf Englisch, Französisch oder Arabisch verfügbar). Das Gebäude ist atemberaubend: das Minarett ragt 210 Meter in die Höhe, der Gebetssaal fasst 25.000 Gläubige, und das verschiebbare Dach öffnet sich zum Himmel. Plane mindestens zwei Stunden ein.
Nachmittags in die Alte Medina. Betritt sie durch das Bab Marrakech und lass dich treiben. Hier gibt es keine ausgeschilderten Routen wie in Fes -- einfach den Gassen folgen. Gewürzhändler, Stoffverkäufer, kleine Garküchen. Handeln ist erwünscht: Starte bei einem Drittel des genannten Preises. Am Rand der Medina liegt das Rick's Cafe -- eine liebevolle Nachbildung des Filmsets aus Casablanca. Ein Cocktail kostet 10-14 EUR (110-155 MAD), das Abendessen 25-40 EUR (275-440 MAD). Kitschig, aber einmal muss man es gesehen haben.
Tag 3: Art Deco und Habous
Vormittags eine geführte Art-Deco-Tour durch die Art-Deco-Innenstadt. Casablanca Urban Adventures und andere lokale Anbieter organisieren Touren für 25-35 EUR (275-385 MAD) pro Person. Du siehst Gebäude von Marius Boyer, Albert Laprade und anderen Architekten, die in den 1920er- bis 1950er-Jahren die Stadt geprägt haben. Ohne Führung übersiehst du die Hälfte -- viele Juwelen verstecken sich hinter unscheinbaren Fassaden.
Nachmittags ins Quartier Habous. Die sogenannte Neue Medina wurde als idealisierte arabische Stadt geplant und fühlt sich heute an wie ein ruhiges Dorf mitten in der Grossstadt. Hier kaufst du die besten marokkanischen Süssigkeiten (Cornes de Gazelle, 2-3 EUR / 22-33 MAD pro Stück), Oliven und Arganöl. Besuche auch den Königspalast (nur von aussen) und die Mahkama du Pacha -- ein Justizgebäude mit spektakulärer maurischer Architektur, das gelegentlich für Besucher geöffnet ist.
Tag 4-5: Corniche, Kultur und lokales Leben
Tag 4 gehört der Corniche Casablanca. Morgens am Leuchtturm El Hank starten (guter Fotopunkt), dann die gesamte Promenade entlanglaufen. Mittags in einem der Beach Clubs einkehren -- Tahiti Beach oder Tropicana sind solide Optionen, Tageseintritt 10-15 EUR (110-165 MAD), Essen und Getränke extra. Nachmittags das Morocco Mall besuchen, eines der grössten Einkaufszentren Afrikas, mit einem Aquarium im Erdgeschoss (Eintritt 5 EUR / 55 MAD). Abends in Ain Diab essen gehen -- frischer Fisch direkt am Atlantik.
Tag 5 ist für Kultur reserviert. Das Museum Villa des Arts zeigt zeitgenössische marokkanische Kunst (Eintritt 3 EUR / 33 MAD). Das Musee Abderrahman Slaoui beherbergt eine feine Sammlung marokkanischer Werbeplakate und Schmuck (Eintritt 4 EUR / 44 MAD). Nachmittags durch Maarif schlendern -- die Rue du Prince Moulay Abdellah ist die Shopping-Achse, gesäumt von lokalen und internationalen Marken. Abends in einem der trendigen Restaurants in Gauthier oder Racine einkehren.
Tag 6-7: Tagesausflüge und Vertiefung
Tag 6: Tagesausflug nach El Jadida (100 km südlich, 1,5 Stunden mit dem Auto). Die portugiesische Zisterne und die Altstadt sind UNESCO-Weltkulturerbe. Alternativ nach Rabat (1 Stunde mit dem Schnellzug Al Boraq, 10 EUR / 110 MAD) -- die Hauptstadt ist ruhiger und grüner als Casablanca, mit der beeindruckenden Kasbah der Udayas und dem Hassan-Turm.
Tag 7: Den letzten Tag für das nutzen, was zu kurz kam. Nochmals durch die Alte Medina mit mehr Zeit. Einen Kochkurs buchen (30-50 EUR / 330-550 MAD, halber Tag). Oder einfach in einem Cafe am Place des Nations Unies sitzen, Cafe noir trinken und das Treiben beobachten. Casablanca ist eine Stadt, die man im Sitzen versteht -- das Tempo, die Menschen, die Geräusche. Nimm dir diese Zeit.
Essen gehen: Restaurants in Casablanca
Casablanca hat die vielfältigste Restaurantszene Marokkos. Hier isst man nicht nur marokkanisch, sondern auch französisch, japanisch, libanesisch und alles dazwischen. Die Preisspanne ist enorm -- von 3 EUR (33 MAD) für ein Mittagessen an einer Garküche bis 80 EUR (880 MAD) und mehr in den Spitzenrestaurants.
Gehobene Küche (30-80 EUR / 330-880 MAD pro Person)
La Sqala: In einer restaurierten Festung am Rand der Alten Medina gelegen, serviert La Sqala traditionelle marokkanische Küche in einem wunderschönen Innenhof mit Garten. Das Frühstück hier ist legendär -- Msemen (Fladenbrot), Amlou (Mandel-Argan-Paste) und frischer Orangensaft. Mittags und abends exzellente Tajines und Couscous. Reservierung am Wochenende empfohlen.
Le Cabestan: Direkt an der Corniche mit spektakulärem Meerblick. Französisch-marokkanische Fusionsküche auf hohem Niveau. Der Wolfsbarsch mit Chermoula-Sauce ist ein Muss. Abendessen für zwei mit Wein: 100-140 EUR (1100-1540 MAD). Die Terrasse bei Sonnenuntergang ist einer der schönsten Plätze der Stadt.
Basmane: Modernes marokkanisches Restaurant in Anfa, das traditionelle Rezepte neu interpretiert. Jüngere Klientel, stylisches Interieur, hervorragende Pastilla (Blätterteigtasche mit Taubenfleisch und Mandeln). Hauptgerichte 15-25 EUR (165-275 MAD).
Mittelklasse (10-25 EUR / 110-275 MAD pro Person)
Blend: Mehrere Standorte in Casablanca, bekannt für die besten Burger und Brunch der Stadt. Westlich inspiriert, aber mit lokalen Zutaten. Am Wochenende zum Brunch kommen -- Pancakes mit Arganöl und Honig sind grandios. Burger 8-12 EUR (88-132 MAD).
Port de Peche: Im alten Fischerhafen gelegen. Frischer geht es nicht: Du wählst deinen Fisch an der Theke, er wird gegrillt und mit Salat und Brot serviert. Fischplatte für zwei: 20-30 EUR (220-330 MAD). Die Atmosphäre ist rustikal, die Qualität erstklassig. Mittags hingehen, wenn der Fang frisch ist.
Le Rouget de l'Isle: Französisches Bistro im Centre-Ville, seit Jahrzehnten eine Institution. Steak-Frites, Fisch, solide Weinauswahl. Hauptgerichte 12-18 EUR (132-198 MAD). Perfekt für ein entspanntes Abendessen mit europäischem Komfortniveau.
Günstig essen (3-10 EUR / 33-110 MAD pro Person)
Snack Amine: Eine der besten Adressen für marokkanisches Streetfood. Bocadillos (belegte Baguettes) mit Kefta, Merguez oder Leber für 2-3 EUR (22-33 MAD). Die Harira (Linsen-Kichererbsen-Suppe) für 1 EUR (11 MAD) ist ein perfekter Snack.
Marche Central: Der zentrale Markt im Herzen der Stadt. Im Erdgeschoss kaufen, im oberen Stockwerk essen. Meeresfrüchte-Platte mit Garnelen, Calamari und Fisch für 8-12 EUR (88-132 MAD). Laut, chaotisch und absolut fantastisch.
Garküchen in der Alten Medina: Für die Abenteuerlustigen: In der Alten Medina gibt es Dutzende von Garküchen, die Tajine, Brochettes (Spiesse) und Suppen für 2-5 EUR (22-55 MAD) anbieten. Einfach dort essen, wo die Einheimischen sitzen -- das ist der verlässlichste Qualitätsindikator.
Was probieren: Kulinarische Highlights in Casablanca
Die marokkanische Küche gehört zu den komplexesten und aromatischsten der Welt. In Casablanca kommt der Vorteil der Küstenlage dazu: Fisch und Meeresfrüchte sind hier frischer und vielfältiger als irgendwo sonst im Land. Diese Gerichte solltest du unbedingt probieren.
Tagine (Tajine)
Das marokkanische Nationalgericht, langsam gegart im konischen Tontopf. In Casablanca besonders gut: Tajine mit Fisch (Chermoula-Marinade aus Koriander, Kreuzkümmel und Zitrone), Tajine mit Lamm und Pflaumen (süss-herzhaft), oder Tajine mit Hühnchen, Oliven und eingelegten Zitronen. Jedes Restaurant hat seine eigene Variante. Preise: 5-15 EUR (55-165 MAD) je nach Lokal.
Couscous Freitag
Freitag ist Couscous-Tag in Marokko -- eine Tradition, die Familien seit Generationen pflegen. Viele Restaurants bieten freitags spezielles Couscous an: mit sieben Gemüsesorten, mit Lamm, mit Rosinen und Zwiebeln (Tfaya). Wenn du an einem Freitag in Casablanca bist, iss Couscous. Es ist ein kulinarisches und kulturelles Erlebnis. Am besten in einem lokalen Restaurant, nicht im Touristen-Lokal.
Pastilla (Bastilla)
Blätterteigpastete gefüllt mit Taubenfleisch (oder Hühnchen), Mandeln, Eiern und Gewürzen, bestäubt mit Puderzucker und Zimt. Die Kombination aus süss und herzhaft irritiert beim ersten Bissen und macht beim dritten süchtig. In Casablanca gibt es auch eine Meeresfrüchte-Variante (Pastilla aux fruits de mer), die hervorragend ist. Portion: 6-12 EUR (66-132 MAD).
Fisch und Meeresfrüchte
Casablanca ist eine Hafenstadt, und das schmeckt man. Sardinen gegrillt auf Holzkohle (die besten gibt es am Port de Peche), Garnelen in Chermoula, Calamari frittiert, Seebarsch im Salzmantel. Im Marche Central kannst du den Fisch selbst auswählen und zubereiten lassen. Eine komplette Fischplatte für zwei Personen kostet 15-25 EUR (165-275 MAD) -- in Europa undenkbar zu diesem Preis.
Marokkanisches Gebäck und Süsses
Cornes de Gazelle (mandelgefüllte Hörnchen), Chebakia (Sesamgebäck mit Honig), Ghriba (Mandelkekse), Briouats (gefüllte Dreiecke mit Mandelpaste). Am besten im Quartier Habous kaufen, wo die Konditoreien seit Generationen backen. Ein Kilo gemischtes Gebäck kostet 8-15 EUR (88-165 MAD). Dazu Minztee -- der wird in Casablanca traditionell sehr süss und mit frischer Minze serviert.
Getränke
Marokkanischer Minztee ist allgegenwärtig und wird überall angeboten -- ablehnen wäre unhöflich. Frisch gepresster Orangensaft kostet an Strassenständen 0,50-1 EUR (5-11 MAD) und ist spektakulär gut. Avocado-Milchshake (Jus d'avocat) ist eine marokkanische Spezialität, die es an fast jeder Saftbar gibt. Alkohol ist in lizenzierten Restaurants und Bars erhältlich -- marokkanisches Bier (Casablanca, Flag Speciale) kostet 2-4 EUR (22-44 MAD), ein Glas marokkanischer Wein (Guerrouane, Medaillon) 3-6 EUR (33-66 MAD). Die Weinkultur in Marokko ist überraschend gut entwickelt.
Geheimtipps der Einheimischen
Diese Tipps bekommst du in keinem Reiseführer. Sie stammen von Freunden, die in Casablanca leben und arbeiten.
Die Dachterrassen der Art-Deco-Gebäude
Einige der alten Gebäude im Centre-Ville haben zugängliche Dachterrassen mit Panoramablick über die Stadt. Frag im Hotel Lincoln oder im Immeuble Bessonneau, ob du aufs Dach darfst -- oft reicht ein freundliches Lächeln und ein kleines Trinkgeld (2-3 EUR). Der Blick bei Sonnenuntergang ist unbezahlbar.
Derb Ghallef
Der grösste Flohmarkt Marokkos, vielleicht Nordafrikas. Hier gibt es buchstäblich alles: Elektronik, Kleidung, Autoteile, Schallplatten, alte Kameras, Möbel. Die Preise sind absurd niedrig, die Atmosphäre ist intensiv. Samstag und Sonntag vormittags ist die beste Zeit. Kein Ort für empfindliche Nasen oder Klaustrophobiker, aber ein unvergessliches Erlebnis. Wertsachen eng am Körper tragen und keine grossen Scheine zeigen.
Sonnenaufgang an der Moschee
Die Hassan-II.-Moschee bei Sonnenaufgang, wenn das Licht über den Atlantik fällt und die Fassade golden leuchtet -- das ist der magischste Moment in Casablanca. Keine Touristen, nur vereinzelte Fischer und Frühaufsteher. Die Esplanade ist frei zugänglich, auch ausserhalb der Besuchszeiten. Bring eine Jacke mit, morgens weht ein kalter Wind vom Meer.
Cafe Universel
In einer Seitengasse nahe der Place des Nations Unies gelegen. Kein Schild, kein Instagram-Account, keine Touristen. Nur alte Männer, die Schach spielen, und der beste Cafe noir der Stadt für 0,50 EUR (5 MAD). Das Interieur sieht aus wie in den 1960er-Jahren stehengeblieben -- Kacheln, Holzstühle, vergilbte Fotos an den Wänden. Das ist das echte Casablanca.
La Fabrique Culturelle
Ein ehemaliges Industriegebäude in der Nähe des Hafens, das zu einem Kulturzentrum umgebaut wurde. Konzerte, Ausstellungen, Filmvorführungen, Workshops -- alles, was die junge kreative Szene Casablancas bewegt. Das Programm wechselt wöchentlich, ein Besuch lohnt sich immer. Eintritt meist frei oder 3-5 EUR (33-55 MAD).
Street Art in Sbata
Das Arbeiterviertel Sbata hat sich in den letzten Jahren zu einem inoffiziellen Freilichtmuseum entwickelt. Lokale und internationale Künstler haben Hauswände, Garagen und Mauern mit Murals bemalt. Kein geführter Rundgang nötig -- einfach durch die Strassen laufen und entdecken. Ein Uber oder Petit Taxi dorthin kostet 3-5 EUR (33-55 MAD) vom Zentrum.
Transport und Verbindungen
Anreise aus dem DACH-Raum
Casablanca ist von deutschsprachigen Städten aus gut erreichbar. Direktflüge gibt es ab Frankfurt (Royal Air Maroc, Lufthansa, 3:30 Stunden), München (Royal Air Maroc, 3:45 Stunden), Zürich (Swiss, Royal Air Maroc, 3:15 Stunden) und Wien (Royal Air Maroc, 4 Stunden). Ryanair fliegt saisonal ab Köln und Berlin. Preise für Hin- und Rückflug: 150-350 EUR je nach Saison und Buchungszeitpunkt. Am günstigsten 6-8 Wochen im Voraus buchen.
Vom Flughafen in die Stadt
Der Mohammed V International Airport liegt 30 km südöstlich. Drei Optionen: Der Zug (ONCF) fährt alle 60 Minuten nach Casa Voyageurs und Casa Port (4 EUR / 44 MAD, 45 Minuten). Das Taxi kostet pauschal 30 EUR (330 MAD) ins Zentrum -- den Preis vorher bestätigen lassen und auf dem Festpreis bestehen. Private Transfers können über das Hotel arrangiert werden (40-50 EUR / 440-550 MAD).
Innerhalb der Stadt
Tramway: Die moderne Strassenbahn hat zwei Linien, die das Zentrum mit den wichtigsten Vierteln verbinden. Ein Ticket kostet 0,60 EUR (7 MAD), eine Tageskarte 1,50 EUR (16 MAD). Sauber, pünktlich und sicher -- die beste Art, Casa zu erkunden, wenn die Distanzen zu gross zum Laufen sind.
Petit Taxi (rot): Die roten Taxis sind günstig und überall verfügbar. Innerhalb der Stadt kostet eine Fahrt 1-4 EUR (11-44 MAD). Bestehe darauf, dass der Taxameter eingeschaltet wird (Compteur, s'il vous plait). Nachts (20-6 Uhr) gilt ein Aufschlag von 50 Prozent. Die meisten Fahrer sind ehrlich, aber die Strecke Flughafen-Zentrum wird gelegentlich überteuert angeboten.
Uber und InDrive: Beide Apps funktionieren in Casablanca und sind oft günstiger als Taxis. Besonders praktisch abends und wenn du die Sprachbarriere umgehen willst -- die App zeigt den Preis vorher an. Zahlung bar oder per Karte.
Bus: Das Busnetz ist dicht, aber unübersichtlich und oft überfüllt. Für Touristen nicht die erste Wahl, aber extrem günstig (0,30 EUR / 3-4 MAD pro Fahrt). Die neuen ALSA-Busse sind deutlich komfortabler als die alten Fahrzeuge.
Verbindungen zu anderen Städten
Al Boraq (Schnellzug): Marokkos Hochgeschwindigkeitszug verbindet Casablanca mit Rabat (1 Stunde, 8 EUR / 88 MAD), Kenitra und Tanger (2:15 Stunden, 20 EUR / 220 MAD). Modern, komfortabel, pünktlich -- ein Erlebnis für sich. Tickets online unter oncf.ma oder am Bahnhof.
Konventioneller Zug: Nach Marrakesch (3 Stunden, 8-12 EUR / 88-132 MAD), Fes (4 Stunden, 12-18 EUR / 132-198 MAD) und Meknes. Erste Klasse ist empfehlenswert -- klimatisiert und bequem, der Aufpreis beträgt nur 30-40 Prozent.
CTM-Bus: Die staatliche Busgesellschaft verbindet Casablanca mit allen grösseren Städten. Günstiger als der Zug, aber langsamer. Klimatisierte Busse, Toiletten an Bord bei Langstrecken. Nach Essaouira (6 Stunden, 10 EUR / 110 MAD) oder Chefchaouen (6 Stunden, 12 EUR / 132 MAD) oft die einzige direkte Option.
Mietwagen: Verfügbar am Flughafen und in der Stadt (ab 25 EUR / 275 MAD pro Tag). Der Verkehr in Casablanca ist chaotisch und nichts für schwache Nerven. Für Tagesausflüge (El Jadida, Azemmour, Oualidia) aber praktisch. Internationaler Führerschein wird empfohlen, ist aber nicht immer Pflicht.
Für wen ist Casablanca: Fazit
Casablanca ist für alle, die Marokko jenseits der Klischees erleben wollen. Wer nur Riads, Souks und Wüstencamps sucht, fährt besser nach Marrakesch oder Fes. Wer aber eine lebendige Grossstadt entdecken will, die sich nicht für Touristen verkleidet, die grandios isst, architektonisch unterschätzt ist und am Atlantik liegt, der ist hier genau richtig.
Besonders empfehlenswert ist Casablanca für Architektur-Fans (die Art-Deco-Sammlung ist weltweit einzigartig), für Feinschmecker (die Restaurantszene ist die beste des Landes), für Städtereisende, die es authentisch mögen, und für alle, die Marokko als Zwischenstopp oder Ausgangspunkt für Weiterreisen nutzen -- von hier aus sind Marrakesch, Rabat, Fes und die Küste schnell erreichbar.
Drei Tage reichen für die Highlights. Fünf Tage, um die Stadt wirklich zu verstehen. Sieben Tage, um sie zu lieben. Casablanca wächst langsam, aber nachhaltig ans Herz. Pack die Neugierde ein und lass die Erwartungen zu Hause.